Radroute für Pilger

42 katholische und evangelische Gemeinden beteiligen sich an dem ehrenamtlichen Projekt

Einige der insgesamt 80 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die sich an der Herstellung der Pfähle beteiligten. Foto: Frank Grawe

 

Kreis Höxter (Dekanat). An der 300 Kilometer langen Kloster-Garten-­Route, die in Form einer Acht durch den Kreis Höxter verläuft, werden ab dem kommenden Frühjahr „Bibel-Pfähle“ zu entdecken sein. Sie begleiten die pilgernden Radfahrer zukünftig auf der kultur- und naturorientierten Route auch spirituell.

„Wir hatten uns bereits im Sommer 2017 mit fünf Personen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zusammengesetzt und überlegt, wie eine spirituelle Aufwertung unserer Radroute aussehen könnte“, berichtet Christiane Sasse, Regionalmanagerin für den EU-­Fördertopf LEADER.

Die Entscheidung fiel für die „Bibel-Pfähle“, um ein einheitliches System konstruieren zu können. „Nichts, was sich dem Radfahrer aufdrängt, sondern etwas, was man nutzen kann, aber nicht muss“, betont Christiane Sasse. Die Pfähle mit ihren Bibelversen und den dazugehörigen Erläuterungstexten sollen Impulse liefern, um sich mit dem eigenen Glauben und der Bibel auseinanderzusetzen.

Das Besondere an dem Projekt ist, dass sich alle Kirchengemeinden der Orte, die an der Kloster-Garten-Route liegen, in das Projekt einbringen konnten. „Das stärkt die Verbundenheit der Menschen zur eigenen Region und macht solch ein Vorhaben für Gäste gleich viel persönlicher“, meint die Dekanatsreferentin Gisela Fritsche.

Katholische und evangelische Gemeinden wurden informiert. Der kleine Arbeitskreis erweiterte sich zu einem gut 20-köpfigen Team, dessen Teilnehmer die Idee im Kreis Höxter verbreiteten. Das Ergebnis stand im Sommer 2018 fest: 42 Kirchengemeinden wollten sich beteiligen – da­runter sogar vier nordhessische Gemeinden, die ebenfalls an der Radstrecke liegen. Die Begeisterung war groß, etwas Gemeinsames zu schaffen.

Tischlermeister Josef Fuhrmann aus Marienmünster-­Löwendorf war von Anfang an mit im Team und baute einen Prototypen aus vier Meter langen Lärchenbrettern zusammen. Christiane Sasse ließ Probeschilder drucken. Gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer i. R. Karl-Heinz Bartsch aus Warburg überlegte man, wie die Metallhalterung und das Betonfundament aussehen muss, um eine sichere Statik zu erzielen.

Aber auch die Kirchengemeinden waren gefordert. Jede Gemeinde konnte sich ihren eigenen Bibelvers aussuchen, der eine maximale Buchstabenanzahl nicht überschreiten durfte. Die ausgewählten Verse wurden von einem Redaktionsteam gesammelt, um Doppelungen auszuschließen. Zwar wollten drei Gemeinden den Spruch „Brücken bauen“ verwenden, aber auch das konnte einvernehmlich geregelt werden.

Als die Bibelverse feststanden, arbeitete jede Gemeinde ihren Vers aus. „Wir veranstalteten dazu zum Beispiel spirituelle Abende, an denen wir die Bibelstelle auslegten“, sagt Pastor Spittmann. „Es war fantastisch, lesen zu können, wie die einzelnen Gemeinden den Bogen von ihrem Bibelvers zur Landschaft, zum Ort oder zur Kirche, zum Kloster oder einfach zum Radweg spannten“, erinnert sich Imke Buchholz vom Christlichen Bildungswerk Die HEGGE, die ebenfalls im Redaktionsteam mitwirkte.

Die Verse und Texte werden sowohl am Pfahl als auch zusätzlich mit Fotos der Gemeindemitglieder in einer Begleitbroschüre abgelichtet, die vo­raussichtlich ab April 2020 erhältlich ist.

Damit sich der Radweg zukünftig zu einem Pilger-­Radweg entwickelt, erhalten 28 „Bibel-Pfähle“ einen Buchstaben-­Stempel, mit dem in der Begleitbroschüre einzelne Seiten abgestempelt werden können. Hat man die Route vollständig erradelt, ergibt sich ein Losungswort.

Um das Projekt zu finanzieren, mussten insgesamt 80 000 Euro aufgebracht werden. Die katholische Kirchengemeinde St. Johannes Baptist in Höxter-­Brenkhausen erklärte sich bereit, stellvertretend für alle Mitwirkenden Projektträger und damit Antragsteller für die LEADER-Fördermittel in Höhe von 65 Prozent zu sein.

Den restlichen Eigenanteil von 35 Prozent der Gesamtsumme stellte das Erzbistum Paderborn aus seinem Fonds für innovative Projekte zur Verfügung. Damit stand der Finanzierung nichts mehr im Wege.

Nachdem der Antrag bewilligt war, ging es an die handwerkliche Arbeit. In drei Pfahl-­Werkstätten bauten mehr als 80 Ehrenamtliche die Pfähle aus Lärchenbrettern zusammen und versahen sie mit Schildern.

Mitglieder der Kirchengemeinden oder des jeweiligen Ortes beteiligten sich mit großer Freude daran, ihren Pfahl selbst zu zimmern.

Die fertigen „Bibel-Pfähle“ mit den 1,3 Tonnen schweren Fertigbetonfundamenten stellt ein professioneller Landschaftsbaubetrieb auf.

Die Einweihung der ökumenischen „Bibel-Pfähle“ entlang der Kloster-Garten-Route wird am Sonntag, dem 17. Mai 2020, im Raum Brakel stattfinden.

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