Kehrtwende – hier und jetzt

Gedanken zu Mt 3,1-12

Der Ruf zur Umkehr hinsichtlich Glaube und Lebenshaltung ist nach wie vor aktuell.

von Ancilla Ernstberger

Das Evangelium dieses Sonntags schlägt ernste Töne an, die einem Advent, wie er heute mit allerlei Glitzer, Glüh­wein, klingenden Glöckchen und Kassen gang und gäbe ist, zuwiderlaufen. Während gegenwärtig vielerorts Weihnachtsmärkte und Schaufenster die Menschen anlocken, zog vor mehr als 2 000 Jahren Johannes der Täufer seine Zeitgenossen an. Um ihm zu begegnen, mussten sie ihn in der Wüste aufsuchen. Seine keineswegs schmeichelhaften Worte stellten das übliche Denken, Reden und Handeln infrage. So unwirtlich, wie sich die Wüste zeigte, so schnörkellos ist auch seine Ansprache, indem er seine Zuhörer der Heuchelei bezichtigt und sie gar „Schlangenbrut“ tituliert.

An der Schwelle zwischen altem und neuem Bund nimmt Johannes seine prophetische Berufung wahr, ruft zur Umkehr auf und lenkt zugleich den Blick auf den sehnlichst erwarteten Messias. „Kehrt um!“, eindringlicher könnte seine Mahnung nicht sein, ein unmissverständlicher Weckruf.

Dabei geht Johannes gar nicht ins Detail, welche Wege die Menschen verlassen sollen. Allein sein äußeres Auftreten weist ihn als einen Propheten aus, der nicht bloß irgendwelche Konzepte verkündet. Seine eigene asketische Lebensweise lässt vielmehr keinen Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit zu. Person und Botschaft fallen hier zusammen, weshalb er bleibend aktuell ist.

Er, den die Leute scharenweise aufsuchen, tritt hinter dem erwarteten Messias zurück, auf den er hinweist. Sein Auftrag ist vorläufig, denn er tauft nur mit Wasser, dem Zeichen der Umkehr, und rückt Jesus in den Vordergrund, ohne ihn namentlich zu nennen. Dieser Größere wird die Menschen mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen. Zwar spricht Johannes vom kommenden Gericht, worin sich Spreu und Weizen voneinander trennen werden. Dennoch hebt er hervor: „Das Himmelreich ist nahe.“ So drastisch die Mahnrede auch formuliert ist, er lenkt den Blick auf den Nahenden. Im nahen Himmelreich kommt der Messias selbst den Menschen nahe. Ihn zu ersehnen, zu suchen, sich ihm zuzuwenden, um dann Frucht zu bringen und Leben in Fülle zu finden, das ist ihm wichtig.

In Erwartung des Messias zeichnet sich Johannes als adventlicher Mensch aus. Sein Leben in der Wüste zeigt im Verzichten, was die Lebensnot wendet. Der Verzicht hat keinen Selbstzweck, sondern dient dazu, frei zu werden von verschiedensten Abhängigkeiten und vielleicht auch Konventionen. In diesem Ruf zur Umkehr eignet sich Johannes als Prophet für unsere Zeit. Er konfrontiert durch seinen Lebensstil: Wie sieht es aber heute mit dem Willen zur Umkehr aus? Wie ist es um die Sehnsucht nach Jesus, dem Messias, bestellt? Oder begnügen wir uns mit vergänglichen Dingen?

Unsere Sprache ist verräterisch. Seit einigen Jahren ist meistens von der „Vorweihnachtszeit“ die Rede, nicht mehr vom Advent. Dies zeigt, wie sehr der Advent vom Aussterben bedroht ist. Als Zeit der Umkehr, um dem Herrn den Weg ins eigene Innere zu bahnen, nutzen ihn nur wenige Menschen. Die eigentlich der Geburt Christi vorbehaltene Lichtfülle strahlt unzeitgemäß schon allseits im Advent. Das erst nach und nach sich entfaltende Licht von vier Kerzen und das damit verbundene Warten scheinen überholt.

Der Advent fällt in die dunkelste Jahreszeit. Damit ist er zugleich Sinnbild für alles Dunkle im menschlichen Leben. Oft bleibt nichts anderes, als äußere wie innere Finsternis leidvoll zu ertragen, ohne etwas zu beschönigen, sondern sich zu sehnen nach dem, der allein Rettung und Heilung schenken kann und dafür Mensch geworden ist.

Zur Autorin:Sr. M. Ancilla Ernstberger ist Oberin der Augustiner Chorfrauen im Michaelskloster in Paderborn.

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