Geschichtsunterricht im Zeichentrick

Dombau-Verein Minden produziert Erklärungsvideo

Fast 600 Jahre lang blieb der Mindener Dom so gut wie unverändert, bis er im Zweiten Weltkrieg bei einer Bombardierung der Altstadt am 28.März 1945 beinahe völlig zerstört wurde. Von 1946 bis 1957 wurde er wieder aufgebaut. Fotos: DVM

 

Minden. Beim Blick auf die Mindener Bistums- und Heimatgeschichte geht der Dombau-Verein Minden (DVM) neue Wege. Mit einem sogenannten Erklärungsvideo bringt der Förderverein den Betrachtern die wechselvolle Geschichte des Domes und seiner Protagonisten nahe.

Die Historie des mehr als 800 Jahre währenden Bistums und des Geschehens danach kurz, geschichtlich genau und intelligent-unterhaltsam zu erzählen, ist das Ziel, das der DVM in den vergangenen Monaten verfolgte. Basierend auf der Idee des Fördervereinsvorsitzenden Hans-Jürgen Amtage wurde das Konzept für das Erklärungsvideo entwickelt. „Warum soll ein Clip, der in der Werbewirtschaft erfolgreich eingesetzt wird, nicht auch als kleiner Geschichtsunterricht funktionieren?“, fragte der hauptberuflich als Kommunikationsberater tätige Amtage seine Vorstandskollegen.

Widukind & Co

Gemeinsam schrieben sie das Drehbuch für das Video „Bistum und Dom zu Minden– Zwölf Jahrhunderte Geschichte(n)“. Dabei orientierten sich Vorstandsvize Andreas Kresse, Geschäftsführerin Annemarie Lux und Hans-Jürgen Amtage an den aktuell geltenden Erkenntnissen, die beispielsweise auch bei Führungen durch Dom und Domschatzkammer vermittelt werden. Von der Begegnung des Sachsenherzogs Widukind mit dem Franken Karl dem Großen über den ersten Mindener Bischof Erkanbert bis hin zu den Preußen und der Zerstörung des Domes durch alliierte Bomber Ende des Zweiten Weltkrieges. Aber auch der Wiederaufbau des mächtigen Kirchengebäudes und der neue Vierungsturm wurden berücksichtigt. Daraus entstand das achtminütige Erklärungsvideo– in der Art eines Zeichentrickfilmes.

„Wir hatten schon lange die Überlegungen, eine Art filmische Dokumentation zu Dom und Bistum zu realisieren“, berichtet Amtage. Angesichts von recht wenig verwertbarem hochwertigem Fotomaterial, keinen originalen Zeichnungen, die das tatsächliche Aussehen des Domes im Mittelalter widerspiegeln und nicht geklärten Bildrechten entstand die Idee des Zeichentricks. Der Dombau-Verein setzte sich dann mit einer Agentur in der Schweiz in Verbindung. Die realisiert seit vielen Jahren für große, international tätige Unternehmen wie Microsoft, Coca Cola, Siemens und BASF solche Erklärungsvideos. „Die Ansprechpartner waren sehr angetan von der Idee, einmal eine Art Geschichtsvideo zu produzieren.“

Zwei Versionen

In enger Abstimmung mit den DVM-Vorstandsmitgliedern entstand das sogenannte „Whiteboard“. Auf dem wurde all das zeichnerisch ins Bild gesetzt, was dann später animiert wurde. So wurden Bischöfe, Kaiser und Könige lebendig, ging der Dom in Flammen auf und wandelte später sein Aussehen. Gleichzeitig wurden die Bilder mit Text unterlegt, sodass das Video auch ohne Ton wirkt. Damit liegen zwei Versionen vor: vertont und mit Untertiteln.

Für die Finanzierung des Projektes konnten Geldgeber gefunden werden. Neben dem Dombau-Verein Minden selbst die Sparkasse Minden-Lübbecke und das NRW-Heimatministerium über den Heimatscheck, mit dem nachhaltige Projekte gefördert werden. „Wir sind unseren Förderern sehr dankbar, dass sie dieses ungewöhnliche Geschichtsprojekt unterstützt haben“, betont Annemarie Lux.

Im Domschatz Minden am Kleinen Domhof kann das Erklärungsvideo wegen der Corona-Krise zurzeit zwar nicht angeschaut werden, der Domschatz ist noch bis mindestens 20.April geschlossen. Doch der Dombau-Verein hat vorgesorgt. „Unsere Absicht war und ist, dass jeder, ob jung oder alt, der sich für die Bistums- und diesen Teil der Heimatgeschichte interessiert, die Möglichkeit hat, das Video jederzeit abzurufen“, so Andreas Kresse.

 

Info

Hier geht es zum  vertonten Video  und hier zu der Version mit Untertiteln.

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