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Gipfeltreffen der katholischen Entwicklungshilfe in der Landvolkshochschule

Global denken, lokal handeln

Hardehausen. In der Landvolkshochschule „Anton Heinen“ von Hardehausen rückte sechs Tage lang die große, weite Welt enger zusammen. Gleich drei Konferenzen wurden gehalten: Mitglieder des Internationalen Landvolksdienst (ILD), der internationalen Vereinigung aller katholischen Landvolkbewegungen (FIRMAC) und der deutschen katholischen Landvolkbewegung bildeten ein internationales Plenum mit klarem Ziel: Die Welt zu einem gerechteren Ort zu machen. Dafür braucht es Vernetzung und Kommunikation.


Am ersten Abend versammelten sich die rund 40 Mitglieder des IDL im großen Saal. Im Hintergrund warten die Dolmetscher in ihren Boxen auf den Einsatz. Foto: Wamers

F ür die richtige Verständigung sorgten während der Tagungen Dolmetscher in drei Übersetzungsboxen: Englisch, Spanisch, Französisch.
Für eine gerechtere Welt kämpft der Internationale Landvolksdienst (ILD) seit 20 Jahren – in Hardehausen wurde bei dem internationalen Treffen Jubiläum gefeiert und Rückblick gehalten. Der ILD ist die Entwicklungshilfeorganisation der Katholischen Landvolkbewegung. Afrika, Asien und Südamerika – die Mitglieder des ILD sind in der Welt und dort vor allem auf dem Lande zu Hause. „Wir geben nicht nur Geld, sondern fahren auch hin“, betonte IDL-Bundesvorsitzender Hermann Kroll-Schlüter. Die Jubiläumsveranstaltung stand unter dem Thema: „Armutsbekämpfung und integrierte ländliche Entwicklung – Visionen, Konzepte, Wirkungen“. Dabei lautete die Devise: „Global – lokal“. Global denken, lokal handeln.
Lokal kann in Bangladesh, in Südamerika oder Afrika sein: 29 Projekte hat der ILD in den vergangenen 20 Jahren betreut. Konkret heißt das: Hunger bekämpfen, Trinkwasserversorgung sichern, Bildung ermöglichen und Einkommen sichern. Immer Hand in Hand mit den Menschen vor Ort. „Den Menschen zu dienen und konkret zu helfen“, das will Kroll-Schlüter und dafür bezieht der ILD-Bundesvorsitzende Position: „Wir hätten Biomasse nicht in Biosprit, sondern allein in Strom und Wärme umgewandelt.“
Das Engagement des ILD, honorierte auch die Parlamentarische Staatssekretärin Karin Kortmann aus dem Entwicklungsministerium. „Bis zu 75 Prozent der absolut Armen dieser Welt leben nach aktuellen Schätzungen auf dem Lande“, schrieb Kortmann in ihren Grussworten. „Durch Investitionen in die Landwirtschaft kann viermal mehr Armut beseitigt werden als durch Investitionen in anderen Sektoren.“ Diese Einsicht teilen auch die katholischen Organisationen. Aber: „Keine planlose Subventionierung“, forderte Kroll-Schlüter, sondern „Zertifikate für Nachhaltigkeit.“
Klare Worte für klare Ziele, die auch von den FIRMAC-Vertretern aus Afrika, Asien und Lateinamerika, die ebenfalls in Hardehausen an den Tagungen teilgenommen hatten, vertreten werden. Die FIRMAC sorgt für Austausch, Vernetzung und Bildungsarbeit.
Die Katholische Landbewegung (KLB) bildet das Fundament der Organisationen. Die Bundesversammlung der KLB hatte ihre Tagung unter das Motto gestellt: „Netzwerk KLB: Lokal denken – Global handeln. Global denken – Lokal handeln“. Die Projektliste gab Aufschluss: Kleinkredite für Kleinbauern, Einsatz für die Rechte der Angehörigen der untersten Kaste – der „Unberührbaren“, Perspektiven für Witwen, Aidswaisen und Kindersoldaten in Uganda, Stärkung ländlicher Erzeugergemeinschaften, Hilfe für die Tsunami-Opfer. Das sind wenige Beispiele aus dem Programm der katholischen Entwicklungshilfe. Dort gilt die Hilfe der Weltgemeinde: Ob die Menschen in den Ländern Christen, Muslime oder Hindus sind, spiele dabei keine Rolle, betonte ILD-Geschäftsführer Lothar Kleipaß.
Zur internationalen Solidarität gehöre aber auch die Anstrengung, dass die Menschen in den Industrienationen ihr Konsumverhalten überdenken und einschränken. „Denn es wird immer deutlicher, dass diese Lebensweise global nicht tragbar ist“, sagte Kleipaß.
Das forderte auch der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, der sich das internationale Gipfeltreffen in der Landvolkshochschule nicht entgehen lassen wollte. Mit den Entwicklungshelfern feierte er den Gottesdienst und betonte: „Wir sind eine Menschheitsfamilie und vom Schöpfer in die Welt gestellt, um Verantwortung zu übernehmen.“
 Sandra Wamers

11.05.2008
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