Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

„… die Fußnoten Gottes!“

Stephan Schröder ist Diözesanjugendpfarrer und Rektor im Jugendhaus Hardehausen.

Die Nachfolge Jesu verlangt, Glauben und Leben in Einklang zu bringen und so glaubwürdig zu werden. 

von Stephan Schröder 

Dass Fußnoten in wissenschaftlichen Arbeiten von hoher Bedeutung sind, wissen wir spätestens seit der Plagiatsaffäre um prominente Politiker. Mussten diese sich doch den Vorwurf gefallen lassen, durch das Weglassen von Fußnoten das geistige Eigentum anderer sich zu eigen gemacht zu haben. „Sich mit fremden Federn schmücken“ würde man zu diesem Verhalten im Volksmund sagen.

Um die Echtheit von Titeln geht es auch in dem Buch Maleachi und dem Matthäus-evangelium. Die Verse aus dem Buch Maleachi sind vergleichbar mit Fußnoten zum Dienst der Leviten. Gott hat den Stamm des Levi zum priesterlichen Dienst im Volk Israel bestimmt. Der Prophet findet klare und deutliche Worte an die Leviten, weil sie vom Weg Gottes abgewichen sind und ihn enttäuscht haben. Im Matthäusevangelium erhalten wir Fußnoten zum Dienst der Pharisäer. Gerade ihnen, die als fromme und gewissenhafte Menschen galten, wirft Jesus Heuchelei vor. Nach Ton und Inhalt ist dies die schärfste Kritik, die aus seinem Mund zu hören ist. 

Es geht ihm um die Unehrlichkeit, die Diskrepanz zwischen Wort und Tat, zwischen Reden und Tun, zwischen Sein und Schein. Diese Unaufrichtigkeit ist für Jesus unerträglich. Diese deutliche Mahnung schreibt Jesus auch seinen Jüngern und somit auch uns ins Stammbuch! Die entscheidende Fußnote für seine Jünger lautet: „Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Wenn seine Jünger diese Fußnote der Nachfolge Jesu missachten, wird ihre Jüngerschaft eine Fälschung! 

Diese Worte Jesu sind wegweisend für jeden Christen, der in der Taufe die Titel: „Priester, König und Prophet“ erhält. In der Taufliturgie heißt es: „Du wirst nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt; denn du bist Glied des Volkes Gottes und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit.“ Wir sind somit durch die Taufe „Glieder des Volkes Gottes“. Wir gehören dem Leib Christi an und sind mit königlicher Würde ausgestattet. Das heißt, wir sind von Gott auserwählt und berufen, ihm zu folgen. – Wir sind ein priesterliches Volk: Die Kirche unterscheidet das allgemeine und das besondere Priestertum. Jeder getaufte Christ gehört also zum allgemeinen Priestertum, was soviel bedeutet wie sein Leben in den Dienst Gottes zu stellen. Das besondere Priestertum meint nichts anderes, als die Sakramente zu spenden und die Gegenwart Gottes mit den Menschen zu feiern. – Wir sind ein prophetisches Volk: Propheten sind wie Wegweiser, die die Verheißungen Gottes in heutiger Zeit deuten. 

In der Taufliturgie heißt es weiter: „Bewahre diese Würde für das ewige Leben.“ Jesus weiß, dass all unser Tun begrenzt und unvollständig ist. Deshalb spricht die Kirche beim Begräbnis eines Menschen das schöne Wort aus: „Im Wasser und im Heiligen Geist wurdest du getauft. Der Herr vollende an dir, was er in der Taufe begonnen hat.“ 

In der Wissenschaft werden Titel aberkannt, wenn sich Plagiatsvorwürfe bewahrheiten. Als getaufte Christen droht uns zwar bei Missachtung der Frohen Botschaft nicht die Aberkennung unseres Titels „Christ“. Denn die Urheberrechte liegen eindeutig bei Gott. Doch seine entscheidende Fußnote lautet im Namen Jesu: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.

 

 


24.05.2012
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