Worte Jesu – eine Zu-Mutung

Gedanken zu Mt 24,29-44

Alles gut! Wir haben uns eingerichtet in dieser Welt. Foto: Rainer Sturm/pixelio

 

In bedrohlichen Zeiten wollen die Worte Jesu Mut machen.

von Wolfgang Winkelmann

Mal ganz ehrlich, wir haben uns doch alle ganz häuslich eingerichtet auf dieser Erde. Das können wir ganz wörtlich nehmen; nicht wenige von uns haben es mit Fleiß und Schaffenskraft zu ihrem Häuschen gebracht. Die Wohnung ist nett eingerichtet, das Auto steht vor der Tür, wenigstens einmal im Jahr geht es in Urlaub. Und seinen Familien- und Freundeskreis, den pflegt und genießt man auch.

Ja, da ein gewisser, jahreszeitlich bedingter Mangel an Licht und Sonne eintritt, sorgt man durch die gutbürgerlich gedämpfte Erwartung der Geburt eines gewissen Kindes (in einem Stall übrigens, doch das vergessen wir gerne schon mal) dafür, dass es nicht allzu finster werden kann in unseren Herzen.

Alles in Ordnung also, und ganz ehrlich, viele Generationen von vor uns lebenden Menschen würden uns beneiden um die vergleichsweise hohe Sicherheit, den weit verbreiteten Wohlstand, den wir in unseren offensichtlich so gesegneten Tagen genießen können.

Führen wir den Gedanken weiter, stellen wir uns vor, ein Zeitreisender aus einer vergangenen Epoche käme bei uns zu Besuch – er würde wohl einige Zeit brauchen, um die Brüchigkeit unseres so wohlgeordneten Lebens zu durchschauen. Dann würde er vielleicht auch Vorzüge vergangener Zeiten feststellen, in denen die Menschen sich ehrlich mit ihren Grenzen ausei­nandersetzten, ganz einfach deshalb, weil sie viel öfter damit konfrontiert wurden.

Wir haben hier so manches verdrängt, wollen es nicht wahrhaben, weil es sich so schön hinter den Fassaden bürgerlichen Wohlstandes und mindestens scheinbaren Wohlergehens verstecken lässt.

Viele finden nicht einmal mehr den Weg in die Kirche, denn da könnte man ja so unbequeme Dinge hören wie die aus dem heutigen Evangelium, in denen Jesus (wirklich Jesus, nicht das liebe Jesulein) so furchtbare Dinge sagt. Die furchtbaren Dinge, die Jesus sagt, sind also nichts anderes als eine Schilderung der Realität. Dass Jesus alles so beim Namen nennt, ist gewiss eine Zumutung. Aber das hat einen sehr positiven Aspekt. Zu-­Mutung bedeutet ja auch, dass er uns den Mut zuspricht, uns mit diesen Dingen zu konfrontieren, sie auszuhalten und hinter allem Hoffnung zu finden, die er uns auch zuspricht.

Seine Worte, so sagt Jesus, die werden nicht vergehen. Es sind die Worte der Seligpreisung; die Worte, die er an Blinde, Lahme, Aussätzige richtete, an den hartherzigen Zachäus und an die Ehebrecherin, die gesteinigt werden sollte. Worte, die nicht verurteilen und verdammen, sondern die aufrichten und das Leben zur Entfaltung bringen. Sie verwandeln das Leben, das der Kranken wie auch das der Sünder. Es waren also gerade diejenigen, die sich nicht etabliert hatten in einer Welt, die uns ja doch keine endgültige Heimat zu geben vermag, die offen waren für das Wort Jesu, die sich davon berühren und verwandeln ließen.

Jesus ist anspruchsvoll, im wahrsten Sinne des Wortes. Er spricht die Menschen an, aber er verlangt Offenheit und die innere Bereitschaft, sich zu verändern. Bereit sollen wir sein, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da wir es nicht erwarten. Auch hier gilt: Endzeit ist immer und überall; es kann sein, dass der anspruchsvolle Jesus gerade heute zu uns kommen will, uns mit seinem Wort berühren und verwandeln will. Sind wir bereit dafür?

Wenn uns sein Wort trifft, dann ist es immer ein Wort des Lebens. Das heißt: Steh auf! Du kannst mehr, als du glaubst! Du hast eine ganz ungeahnte Zukunft vor dir! Gott wird mit dir sein, was kann dir passieren? Und vor allem: Glaube an das Leben, der Tod hat nicht das letzte Wort! Nein, verlieren können wir nicht, wenn wir uns dem Anspruch Jesu öffnen. Seine Worte werden nicht vergehen, und wer aus diesen Worten heraus lebt und auflebt, der wird ganz gewiss auch nicht vergehen.

Gehen Sie mit in diese kommende Zeit und bereiten wir dem Herrn die Wege!

Zum Autor:

Pfarrer Wolfgang Winkelmann ist Leiter des Pastoralverbundes Siegen-Mitte.

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