Gegen rechts – für Frieden

Ökumenischer Gottesdienst setzt jede Woche ein Zeichen gegen rechte Demonstranten

Das Interesse an dem ökumenischen Gottesdienst „Für Frieden in der Stadt“ vor der Herner Kreuzkirche – hier ein Foto von der ersten Veranstaltung – ist ungebrochen. Und die Organisatoren wollen noch weitermachen. Foto: Privat

 

Herne. Sie nennen sich „Besorgte Bürger“ und ziehen seit Ende August regelmäßig durch die Herner Innenstadt. Doch schnell organisierte sich in der Ruhrgebietsstadt Widerstand. Denn die Gruppe sei „nahe an der rechten Seite“, wie es Vikar Christian Schmidtke von der Pfarrei St. Dionysius Herne ausdrückt. Aus Protest rief die katholische Pfarrei gemeinsam mit dem evangelischen Kirchenkreis Herne sowie der Kreuzkirche den ökumenischen Open-Air-Gottesdienst „Für Frieden in der Stadt“ ins Leben. Und das Interesse ist nach wie vor groß.

von Wolfgang Maas

Immer dienstags um 17.30 Uhr startet die Protestveranstaltung vor der Kreuzkirche Herne an der Harannistraße 1. Danach geht es mit einem Friedensfest auf dem Robert-­Brauner-Platz weiter.
Rückblick: Am 10. September feierte der ökumenische Gottesdienst „Für Frieden in der Stadt“ seine Premiere. Und „ein Ende ist nicht abzusehen“, sagt Vikar Schmidtke. Im Gegenteil: „Es werden mehr Leute statt weniger.“ Diese Einschätzung teilt auch Pfarrerin Katja Lueg von der evangelischen Kreuz-Kirchengemeinde Herne. Bis zu 300 Bürgerinnen und Bürger feierten zu Beginn mit, inzwischen sind es noch immer rund 150. Diese Menschen setzten so ein „Zeichen für die bunte Vielfalt in Herne – gegen Fremdenhass und Ausgrenzung“, wie es die Organisatoren formulieren.

Dass bei den „Besorgten Bürgern“ Vorsicht geboten ist, zeigt auch, wer sich ihnen angeschlossen hat. Denn eine so bekannte rechtsradikale Größe wie der Dortmunder Siegfried Borchardt, der auch unter dem wenig schmeichelhaften Spitznamen „SS-Siggi“ bekannt ist, und Michael Brück (Die Rechte, Dortmund) marschierten schon bei ihnen mit. Folglich hat sich in der Stadt schnell ein breiter Widerstand formiert. Dabei sieht die evangelische Kirche den Gottesdienst „als Ergänzung zu den anderen geplanten Aktionen in der Fußgängerzone und nicht als Konkurrenzprogramm“.

Vikar Schmidtke ist sich sicher, dass es den ökumenischen Gottesdienst noch lange geben wird. Er wird abwechselnd von der evangelischen und der katholischen Seite vorbereitet. Alle Akteure stehen regelmäßig im Austausch über die Themen der Predigten. Noch lieber wäre es den Organisatoren natürlich, wenn die Veranstaltung überflüssig wird, weil die „Besorgten Bürger“ aufgeben und nicht mehr durch die City marschieren. „Das ist das Ziel“, sagt Pfarrerin Lueg.

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