Des Papstes neue Brückenbauer

Franziskus nimmt 13 neue Kardinäle auf – Mahnung zu Loyalität

Franziskus und die neu ernannten Kardinäle – das Kollegium trägt jetzt die Handschrift des Papstes. Foto: KNA

 

Rom (KNA). Papst Franziskus hat am vergangenen Samstag 13 Männer ins Kardinalskollegium aufgenommen. In seiner Predigt ging der Papst auf das von den Kardinälen abgelegte Treueversprechen ein. Viele „illoyale Verhaltensweisen von Kirchenmännern“ beruhten darauf, dass sie kein Gespür für selbst empfangenes Mitleid hätten, so Franziskus.

Der Papst legte den Kardinälen ein Gespür für Barmherzigkeit nahe. „Wenn ich mich nicht als Objekt des Mitleids Gottes fühle, begreife ich auch nicht seine Liebe“, so Franziskus. Zerstörerisch sei eine „Haltung des Verurteilens, der Gleichgültigkeit, des Wegschauens“, um sich die Hände in Unschuld zu waschen.

Unter den neuen Kardinälen sind drei betagte Kirchenmänner, die für ihr Lebenswerk geehrt wurden und zehn noch im aktiven Dienst. Damit steigt die Zahl derer, die jünger als 80 Jahre sind und somit an einer möglichen Papstwahl teilnehmen dürfen, von derzeit 118 auf 128; kurzzeitig zumindest – denn binnen zehn Tagen nach der Auffrischung scheiden schon wieder vier Kardinäle aus dem Kreis der Konklaveberechtigten aus.
Mitte Oktober werden 66 der dann 124 Papstwähler von Franziskus ernannt worden sein. Wenngleich bei der Auswahl sicher nicht nur persönliche Vorlieben eine Rolle spielen, zeigt sich in den Konsistorien zu den Kardinalserhebungen doch eine gewisse Handschrift: Franziskus geht es um Dialog, um Gehör für Benachteiligte und die Präsenz entlegener oder „abgehängter“ Regionen in der Zentrale der katholischen Kirche.
Vier der Nominierten stehen für die Begegnung von Kirche und Islam: Da ist Miguel Ayuso Guixot (67), seit Ende Mai Leiter des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. Das offizielle Gespräch mit dem sunnitischen Islam kam nach einer längeren Eiszeit erst 2017 wieder in Gang; der Kardinalsrang für Ayuso, der auch Arabist und Islamwissenschaftler ist, gibt dem Amtschef besonderes Gewicht.
Ähnliches gilt für den Briten Michael Louis Fitzgerald (82), der den Rat von 2002 bis 2006 leitete und von Benedikt XVI. mit einem Karriereknick als Botschafter nach Kairo versetzt wurde. Fitzgerald hatte nach der „Regensburger Rede“ Benedikts, die von vielen Muslimen als Beleidigung verstanden wurde, versucht zu retten, was zu retten war; Franziskus ehrt ihn nun dafür.

Auf interreligiös schwierigen Posten stehen auch Jakartas Erzbischof Ignatius Suharyo Hardjoatmodjo (69) in Indonesien, dem mit 227 Millionen Muslimen bevölkerungsreichsten muslimisch geprägten Land der Welt, und Cristóbal López Romero (67), Erzbischof im marokkanischen Rabat. Franziskus beschwor bei seinem Besuch dort im März die Rolle des Königreiches als Brücke zwischen den Religionen und Kontinenten.
Die kämpfende Kirche in den unterschiedlichen Weltteilen repräsentieren auch Juan García Rodríguez (71) aus Havanna, Álvaro Ramazzini (72) in Guatemala, Fridolin Ambongo Besungu (59) aus Kinshasa/Kongo sowie die beiden Emeriti Sigitas Tamkevicˇius (80) aus dem litauischen Kaunas und Eugenio Dal Corso (80), ehemaliger Bischof in Angola.
García bekommt durch die Kardinalsernennung Rückhalt im nach wie vor schwierigen Umgang mit der sozialistischen Regierung in Kuba, ähnlich Ramazzini, Bischof von Huehuetenango, der als Streiter für Menschenrechte und Umweltschutz auch Morddrohungen in Kauf nimmt.
Der Kongolese Besungu soll im Kardinalskollegium das bisherige Schwergewicht Afrikas, seinen Vorgänger Laurent Monsengwo Pasinya, ersetzen. Dieser wird am 7. Oktober 80 Jahre alt, zog sich aber schon 2018 aus seinen Ämtern zurück, auch aus dem engsten Beraterkreis um Franziskus. Der Litauer Tamkevicˇius steckte jahrelang in kommunistischen Lagern; Dal Corso wurde 2005 bei einer Revolte schwer verletzt. Beide hielten buchstäblich den Kopf für ihre Kirche hin.

Eine besondere Aufwertung innerhalb der Kurie erfährt das Referat für Flüchtlinge und Migranten mit der Kardinalsernennung ihres Leiters Michael Czerny (73). Der Jesuit ist bislang einfacher Ordens­priester und Untersekretär. Dass er künftig ebenso Kardinal ist wie sein Chef Peter Turkson, Präfekt der Entwicklungsbehörde, ist ein Kuriosum.
Auf europäischer Ebene stärkt der Papst den Luxemburger Erzbischof und derzeitigen Vorsitzenden der EU-­Bischofskommission ­COMECE, Jean-Claude Hollerich (61), nicht zuletzt wohl mit Blick auf seine vermittelnde Rolle in der Flüchtlingsfrage. Eher historischen Gepflogenheiten folgend werden der vatikanische Archivar und Bibliothekar José Tolentino Calaça de Mendonça (53) und der Erzbischof von Bologna, Matteo Maria Zuppi (63), Kardinäle – letzterer eine engagierte soziale Stimme aus dem Kreis der Gemeinschaft Sant’Egidio.

Dass fünf der zehn neuen Papstwähler aus spanisch- und portugiesischsprachigen ­Ländern stammen, fügt sich irgendwie zur Amazonas-­Synode, zu deren Auftakt die Kardinalserhebung stattfand. Vor allem aber lässt sich der Termin so deuten: Ist die Feierstunde um, geht es an die Arbeit.

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