„Auch mal anecken“

Neue Serie im DOM: 70 Jahre BDKJ – Katholische Jugendverbände feiern Jubiläum

Der BDKJ organisiert zum Beispiel die 72-Stunden-­Aktion, bei der sich Jugendliche für die Allgemeinheit engagieren. Die nächste soll in zwei Jahren stattfinden.

 

Erzbistum. Ende März 1947 trafen sich im Jugendhaus Hardehausen junge Katholiken zu einer Tagung, um über die Zukunft der katholischen Jugend im Nachkriegsdeutschland zu diskutieren. Während des Treffens gründeten sie den „Bund der Deutschen Katholischen Jugend“ (BDKJ). Zum Jubiläum veröffentlicht der DOM eine Serie über den Verband und seine Mitgliedsverbände. Im ersten Teil geht es um den Dachverband selbst.

von Benjamin Eckert

Seit 70 Jahren gibt es den ­BDKJ, den Bund der Deutschen Katholischen Jugend im Erzbistum Paderborn. Viele Christinnen und Christen unterschiedlichster Generationen haben die Arbeit der Jugendverbände hautnah mitgestaltet und erleben können. Sie wissen: Jugendverbände sind Orte, an denen junge Menschen ihren Glauben leben können und die gemeinsam eine echte politische Kraft bilden. Im BDKJ versammeln sich junge Menschen, die auch mal mit der Kirche ringen und anecken, dabei Großes auf die Beine stellen und sich immer wieder neu erfinden. Und auch der BDKJ in unserem Erzbistum wird im Jubiläumsjahr nicht müde, seinem Leitwort zu folgen: katholisch, politisch, aktiv.

Wie die katholischen Jugendverbände sich eine lebendige Kirche vorstellen, wird deutlich, wenn in Ferienfreizeiten offene Gottesdienste unter freiem Himmel gefeiert werden und wenn gemeinsam darüber gesprochen wird, wie junge Menschen das Evangelium in der heutigen Zeit umsetzen können. Im „Anteil der Verbände an der Sendung der Kirche“, einem BDKJ-Papier aus dem Jahr 2015, heißt es: „Die Kinder- und Jugendverbände sind eine Weise, Kirche zu sein, und sie sind es in der Weise ihrer Verbandsprinzipien: demokratisch, partizipativ, selbst organisiert, ehrenamtlich und freiwillig, aus dem christlichen Glauben heraus auf die Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bezogen.“ Jugendverbandliche Aktionen sind demnach vor allem dann lebendige Glaubensorte, wenn nicht nur gebetet, sondern sich auch Fragen zugewandt und unterschiedliche Positionen diskutiert werden. In diesem Jahr veranstaltete der ­BDKJ-Diözesanverband Paderborn deshalb mit dem Erzbistum einen jugendpastoralen Fachtag und ging ganz offen der Frage nach: „Ticken wir eigentlich noch ganz christlich?“

Jede und jeder hat das Recht und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und Gesellschaft und Kirche mitzugestalten! Ein lebendiges Prinzip, das zeigt, wie politisch die katholische Kinder- und Jugendverbandsarbeit seit ihrem Gründungsimpuls vor 70 Jahren nach wie vor ist. Jugendverbände leben von der Selbstorganisation junger Menschen, die aus einem christlichen Glauben heraus Demokratie erlernen und vorleben. Zum Beispiel, wenn sie ihre Leitungen – auch die geistlichen! – demokratisch wählen oder sich für gesellschaftliche Themen stark machen. Mit der Aktion „Zukunftszeit – Gemeinsam für ein buntes Land“ positionierte sich der BDKJ im Wahljahr 2017 bildstark und stimmgewaltig gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit – und mischt damit auch in der politischen Landschaft ordentlich mit.

Um seiner Rolle als Dachverband der katholischen Jugend gerecht zu werden, will sich der BDKJ in Zukunft für andere Vergemeinschaftungsformen öffnen, die nicht unter den bisherigen Begriff der Mitgliedsverbände fallen, beispielsweise Pfarreigruppen. Damit will er seine Struktur hinterfragen und so anpassen, dass er in einer sich wandelnden Kirchenlandschaft weiterhin zukunftsfähig ist.

Kurz vor der Tür steht auch die nächste 72-Stunden-Aktion, die in zwei Jahren wieder zehntausende junge Menschen für einen sozialen Einsatz in ihrem direkten Umfeld zusammenbringen wird. Im Erzbistum Paderborn wird dann innerhalb von drei Tagen wieder all das vereint, wofür der BDKJ seit 70 Jahren steht.

Die Kirche von Paderborn hat ja eine besondere Verbindung zum BDKJ, der deutschlandweit die Interessen von rund 500 000 Kindern und Jugendlichen vertritt. Es war das Dach des Jugendhauses Hardehausen, unter dem im Jahr 1947 der Grundstein für die kommenden 70 Jahre gelegt wurde. Der Gründungsort des BDKJ liegt in unserem Erzbistum und ist nach wie vor ein lebendiger Ort der katholischen Jugendverbandsarbeit. Wenn das nicht mal gelebte Geschichte ist.

(Der Autor Benjamin Eckert ist BDKJ-Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.)

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