Gedanken zum Evangelium
Zu sich selbst kommen
Urlaub bedeutet auszuspannen. Ähnlich erscheint das Angebot Jesu an die Jünger im Evangelium. Einfach wegzufahren, raus auf den See, um den Trubel hinter sich zu lassen.
von Dr. Gabriele Broszio
„Schöne Ferien!“ „Gute Erholung und viel Spaß im Urlaub!“ Diese Wünsche sind in den vergangenen Tagen und Wochen vermutlich häufig ausgetauscht worden. Es ist Ferienzeit! Für viele eine Zeit ohne Arbeit, Schule und Termine. Eine Zeit, in der diese guten Wünsche in Erfüllung gehen können. Und was wünschen Sie sich für Ihren Urlaub? Einfach abschalten, werden vermutlich einige sagen. Abstand vom Alltag bekommen, Zeit für mich selbst haben, auftanken, neue Kräfte sammeln, damit es danach auch weitergehen kann, so werden andere ihre Wünsche an den Urlaub formulieren.
Für viele ist das Bedürfnis nach freier Zeit groß. Sie sind „reif für die Insel“ und machen sich müde und erschöpft auf den Weg. Wer so in den Urlaub fährt, dem fällt es oft schwer, zur Ruhe zu kommen. Es ist nicht einfach, „aus dem Rad auszusteigen“, die Aufgaben des Alltags hinter sich zu lassen. Vielfach scheinen die Belastung im Beruf, die Herausforderung in der Familie und die ehrenamtliche Betätigung in der Freizeit Ruhepausen gar nicht zu zulassen. Die eigenen Bedürfnisse werden immer wieder zurückgestellt. Nächstenliebe ist das christliche Gebot. Wer für sich selbst sorgt, gerät leicht in den Verdacht, ein Egoist zu sein. Dabei ist es gut biblisch und christlich, auf sich selbst zu achten: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst“, heißt es. Jesus selbst hat die Menschen immer wieder dazu angehalten. Ein Beispiel dafür findet sich auch in der Frohen Botschaft des heutigen Sonntags.
Die Apostel kehren nach aufregender Missionstätigkeit zu Jesus zurück, um ihm Bericht zu erstatten. Die intensive Begegnung mit zahlreichen Menschen wird sie viel Kraft gekostet haben. Vermutlich sind sie erschöpft und ruhebedürftig. Aber die nötige Ruhe kehrt auch jetzt nicht ein. Die Leute wollen Jesus sehen und hören, suchen Rat und Hilfe. Nicht einmal zum Essen lassen sie ihm und den Aposteln Zeit. Die geschilderte Situation dürfte vielen von uns nicht unbekannt sein: Vor lauter Arbeit das Essen vergessen, in der Sorge um die Liebsten sich weit über die eigenen Kräfte hinaus engagieren, bei allem Einsatz die eigenen Bedürfnisse völlig aus dem Blick verlieren!
An dieser Stelle greift Jesus ein. Er fordert die Jünger zur Flucht vor der Menschenmenge auf: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Ein beeindruckendes „Erholungsangebot“, das Jesus da für seine Jünger bereit hält: Mit Jesus allein sein, weg von den vielen Menschen mit ihren Fragen und Anforderungen. Nicht mehr machen und leisten müssen. Mit sich selbst allein sein. In der Gegenwart Jesu zu sich selbst kommen können.
Mit Jesus an einen einsamen Ort gehen, weg von allem, was ablenkt und die eigentlichen Bedürfnisse überdeckt. Nicht von einer Aktivität in die andere fallen. Den Kopf frei machen. Die „Wüste“ aushalten. Die Leere von Jesus neu füllen lassen.
Ein wenig ausruhen, weg von hektischer Betriebsamkeit. Loslassen, Abstand nehmen, schöpferische Pause machen. Der Seele Zeit lassen, nachzukommen. Dem Gefühl von Geborgenheit in Christus nachspüren. Jesus erkennt die Bedürftigkeit seiner Jünger und nimmt sie ernst. Sie sollen ausruhen, dürfen loslassen. Die Versorgung der Menschenmenge, die der verdienten Ruhepause schnell ein Ende macht, übernimmt er allein.
„Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Könnten diese scheinbar unspektakulären Worte Jesu uns nicht anregen, darüber nachzudenken, wo und wie, und vor allem bei wem, wir echte Erholung finden?







