Aktuelle Ausgabe
2012-20

Netzwerk will die Region an der Weser für Behinderte lebenswerter machen

Ziel: barrierefreier Kreis Höxter

Trafen sich zur Netzwerkbesprechung (von links): Dirk Spieker, Behindertenbeaufragter Bad Driburg, Corina Murawski, Ansprechpartnerin Brakel, Rolf Parrenhoff, Seniorenbeauftragter Kreis Höxter, Inge Parkhoff (Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter), Kerstin Weitemeier, Geschäftsführerin. Foto: Schleyer

Brakel. Die zehn Städte des Kreises Höxter wollen für ihre Planungen behinderte Menschen mit ins Boot holen. 

von Richard Schleyer 

Das „Netzwerk barrierefreier Kreis Höxter“ hat sich zum Ziel gesetzt, den Kreis Höxter für behinderte Menschen lebenswert zu machen. Kerstin Weitemeier, Moderatorin des Netzwerkes: „Wir wollen das Augenmerk darauf lenken, dass etwa Rollstuhlfahrer oder auch Sehbehinderte sich bei uns möglichst selbstständig bewegen und so am Leben teilhaben können.“ Die Geschäftsführerin des paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Höxter leitet den Steuerungskreis des Netzwerks. Mit am Tisch sitzen Selbsthilfegruppen, Caritas-Behinderteneinrichtungen, das Familienerholungswerk des Erzbistums, Verantwortliche aus Stadt- und Kreisverwaltung, Vertreter aus Handel und Handwerk. Die Wünsche und Erfahrungen Betroffener sollen mit denen in Kontakt gebracht werden, die entsprechende Maßnahmen planen und anstoßen, so lautet die Überlegung der Netzwerk-Initiatoren.

Begonnen haben die Aktivitäten des Netzwerks im vergangenen Jahr, als das Familienerholungswerk den barrierefreien und behindertengerechten Umbau des Hotels Schloß Gehrden vorgestellt hat. Entsprechend diesem Vorbild wolle man die barrierefreie Umgestaltung öffentlicher Einrichtungen im gesamten Kreisgebiet voranbringen, beschlossen die Teilnehmer damals. Ein Mittel dazu stellen Stadtbegehungen dar. Die Stadtverwaltungen suchen sich Ansprechpartner aus der Behinderten-Selbsthilfe und gehen mit diesen durch die Stadt. Sie testen, wie sich behindertengerechte Umbauten bewähren oder was noch zu verändern wäre. Warburg, Bad Driburg, Beverungen und jetzt Brakel sind so schon unter die Lupe genommen worden. Die Ergebnisse der Stadtbegehungen werden in anschließenden Treffen ausgewertet.

Viele kleine Verbesserungen sind durch diese Touren schon angestoßen worden, wie Corina Murawski versichert, die Behinderten-Ansprechpartnerin für die Stadt Brakel. Die an Multiple Sklerose (MS) erkrankte Frau ist an den Rollstuhl gefesselt. Als die Herren aus den Bauämtern beispielsweise selber erleben, wie schwer sich ein Rollstuhl über das in den Achtzigerjahren verlegte Kopfsteinpflaster bewegen lässt, planen sie um: Das holprige Pflaster soll durch ebene glatte Platten ersetzt werden. Das erleichtert dann auch nebenbei Damen mit Stöckelschuhen oder Müttern mit Kinderwagen das Gehen; und auch Radfahrer freuen sich.

Inge Paare-Renckhoff, ebenfalls Rollstuhlfahrerin und im „Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderte“ aktiv, verdeutlicht an diesem Beispiel: „Kostenträchtige Umbauten müssen allen zugutekommen, nicht nur einer Gruppe wie den Behinderten. Dann sind sie leichter durchsetzbar.“ 

In fast allen öffentlichen Gebäuden und in den neueren Einkaufszentren befinden sich inzwischen behindertengerechte Toiletten. Nicht alle Türen jedoch lassen sich per Knopfdruck öffnen, sodass Rollstuhlfahrer nicht ohne fremde Hilfe die Türe öffnen können. Rollstuhlfahrer brauchen sich selbst öffnende Türen, wie Corina Murawski betont.

In Brakel startet diesen Herbst noch das Bürgerbus-Projekt, organisiert über einen Verein mit ehrenamtlichen Fahrern. Auf Vorschlage des Netzwerks wird der neue Acht-sitzer-Kleinbus behindertengerecht mit einer Hebebühne ausgestattet, sodass auch Rollstuhlfahrer mitfahren können. „Der erste behindertengerechte Bürgerbus Deutschlands fährt dann in Brakel“, meint Kerstin Weitemeier, stolz über den Erfolg dieser Netzwerk-Aktivität. Ein barrierefreier Kreis Höxter würde zudem behinderte Touristen in die Urlaubsregion an die Weser locken, zeigt sie sich überzeugt.


24.05.2012
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