Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Zeit für deutliche Worte

von Andreas Wiedenhaus 

Wenn es um den Arbeitsmarkt geht, ist immer wieder von einem wahren „Jobwunder“ die Rede: Neue Arbeitsplätze entstehen, die Zahl der Menschen ohne Arbeit sinkt. Bei genauerem Hinsehen relativiert sich diese Erfolgsgeschichte jedoch.

Der Vorsitzende der Sozialkommission der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, hat in diesem Zusammenhang einen kritischen Blick auf die Regierungspläne zur Arbeitsmarktreform geworfen und deutliche Worte gefunden: Die Umsetzung würde dazu führen, dass durch das Aus für zahlreiche Integrationsbetriebe mehr als ein Drittel der etwa 1,4 Millionen langzeitarbeitslosen Menschen einfach „abgeschrieben würden“, verurteilt Marx die Reformpläne.

Ob die Einwände des streitbaren Münchner Erzbischofs Gehör finden werden, muss abgewartet werden – berechtigt sind sie auf jeden Fall. Längst hat sich der Trend zur Ökonomisierung auf alle Lebensbereiche ausgeweitet. Was Menschen tun und leisten wird nur noch an der Frage der „Produktivität“ gemessen. Wer keine „schwarzen Zahlen“ schreibt, hat kaum noch Platz in der Gesellschaft. So gesehen mag es nachvollziehbar sein, die „Unproduktiven“ auszusortieren und nur noch mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Diese Sicht ist mit dem christlichen Menschenbild nicht zu vereinbaren – aber sie liegt bei gewissen „Wirtschaftsexperten“ im Trend. Viele haben diese Einstellung bereits übernommen. Doch welche Zukunft und welche Perspektiven hat eine Gesellschaft, die nur noch in Quartalszahlen denkt? Zeit zum Gegensteuern. 


24.05.2012
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