Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Zauberwort Pareto

Immer wieder dreht sich die öffentliche Diskussion in den vergangenen Wochen um die Themen Gerechtigkeit, Solidarität, um Lohn und Bezahlung.  Ob nun in einer Auflistung des Gehaltes von Angestellten im Vergleich zu dem von Krankenkassenchefs, es geht ebenso um Verteilungsgerechtigkeit wie bei der Frage des Milchpreises. 

Die Umverteilung von unten nach oben, von reich zu arm, sie findet statt. Allerdings auf eine Art und Weise, die manchen Sozialromantiker erstaunen dürfte. Denn das ParetoPrinzip (viele zahlen wenig und wenige zahlen viel) greift dort längst. Das ist zu belegen an den aktuellen Zahlen der Einkommenssteuer: Fakt ist, dass heutzutage die Gruppe der zehn Prozent Besserverdienenden umgekehrt aber mehr als 50 Prozent der Einkommenssteuerlast tragen. Während immerhin 50 Prozent der Arbeitsbevölkerung zu den Geringverdienern gezählt werden, in der Summe auch nur sechs Prozent der Steuern zahlen. Die Starken zahlen also für die Schwachen. So war das System immer geplant. Nun funktioniert es also und es stellt sich immer noch keine Zufriedenheit ein. Denn die Reichen suchen sich allerlei Schlupflöcher, um ihre Zahlungen zu verringern, die Armen stöhnen weiterhin, weil ihr Einkommen trotz aller Erleichterung nicht reicht. Weil es letztlich eben nicht nur um Erfolge eines Steuersystems geht, das den Staat zufrieden macht. Sondern darum, auch nachzuschauen, ob das Verhältnis arm und reich denn noch passt. Was hilft die schönste Steuerlast des Reichen, wenn er seine Arbeiter so schlecht entlohnt, dass sie trotz geringer Solidarlasten davon nicht leben können? Während er gleichzeitig keinen Trick auslässt, ebenso am Modell der stattlichen Geldverteilung teilzuhaben. Während gleichzeitig der Geringverdiener so wenig Perspektive hat, finanziell ebenso wie bei der Arbeitsplatzgarantie, dass es ihm seine geringen Zahlungen wenig nützen. Und er dann im Hartz IV verhaftet.
Was hilft also das beste Soli­darmodell, wenn darüber Werte wie Ehrgeiz und Leistung aber auch Ehrlichkeit und Rechtsempfinden in den Hintergrund rücken. Das ist aber Realität, so lässt sich das Prinzip von Pareto lesen. Doch eines ist klar: Wird das Ungleichgewicht zu groß, bricht der Kompromiss.
Christian Schlichter (44)
ist Chefredakteur des DOM


24.05.2012
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