Aufmunternde Bildungsveranstaltung in Büren
Wohin Kirche geht
Büren. Verunsicherung herrscht im Kirchenvolk. Pastoralverbünde werden zusammengelegt, weniger Seelsorger stehen zur Verfügung. Das gewohnte Bild der Kirche und der kirchlichen Betreuung verändert sich. Dazu kratzt noch die Missbrauchsdebatte am Image der Kirche. In diese Situation hinein wollte das Dekanatsbildungswerk Büren-Delbrück in Verbindung mit den beiden Bürener Pastoralverbünden einen Redner einladen, der eine Antwort geben könnte auf die bange Frage: „Kirche, wohin gehst du?“
von Richard Schleyer
Die Frage, wohin die Kirche geht, traf wohl viele Katholiken ins Herz. Etwa 150 Zuhörer kamen in den Saal des Bürener Pfarrheimes, um dem Theologen Gotthard Fuchs zuzuhören. Und der fand tröstende Antworten. Eine bisher gewohnte Sozialgestalt der Kirche geht unwiederbringlich zu Ende, so beschied er den gebannten Zuhörern. Dies lässt Gott zu, weil er seine Kirche in eine neue, veränderte Gestalt führen will, in der sie ihre Aufgabe besser erfüllen kann, Menschen mit ihm in Verbindung zu bringen. Fuchs wählte das urchristliche Kirchensymbol des Mondes, um dies zu verdeutlichen. Der Mond empfängt seine Leuchtkraft von der Sonne, damit er sie in die Dunkelheit der Nacht hinein abstrahlen kann. Ebenso lebt die Kirche von der Strahlkraft Gottes. Wie es zyklische Phasen des abnehmenden Mondes gibt, so erlebt die Kirche Phasen der Verborgenheit Gottes, die sie aufruft, nicht so sehr ihrer eigenen Kraft zu vertrauen, sondern neu zu entdecken, wie sich Gott der Gegenwart zeigen will. Gott lässt sein Volk eine Phase des Absterbens erleiden, um es zu einer neuen Auferstehung zu führen.
In der gegenwärtigen Missbrauchdiskussion sah Fuchs eine Art Gericht Gottes über seine Kirche hereinbrechen, die sie zur Erneuerung aufruft. „Solche Krisensituationen drängen die Frage auf: Was will Gott uns damit sagen? Was haben wir in der Kirche verpasst, dass es so gekommen ist?“ Fuchs äußerte die Hoffnung auf eine Chance zur Reinigung. Ihm zeigen sich Konturen einer veränderten Kirche, die das geistliche Amt weniger überhöht, die Priester nicht mehr auf einen zu hohen moralischen Sockel stellt, in der Amtsträger und Gemeindemitglieder füreinander sorgen, Kritik wagen, aber auch einander Halt geben. Fuchs entwarf das Bild einer gewandelten Kirche, hin zu einer Sexualmoral, die nicht bedrängend auftritt, sondern einlädt, die erotische und sexuelle Dimension des Lebens positiv zu leben und zu entfalten. Und Fuchs sprach von einer Bewegung in der Zölibatsdiskussion, hin zu einer differenziert offenen Haltung wie in den Ostkirchen. Die klerikalen und patriarchalen Züge der Kirche werden nach Fuchs absterben müssen, sofern sie Menschen hindern, die Botschaft von einem neuen Leben aus der Liebe Gottes anzunehmen. Fuchs verwies darauf, wie viel geschwisterlicher die Kirche schon geworden ist, wie sehr sie die pastorale Arbeit schätzt, die Frauen in ihr leisten. Die Berufung aller Getauften zum allgemeinen Priestertum wurde neu entdeckt, Laien und Priester erfahren sich als geistliche Partner. „In der Morgendämmerung der gegenwärtigen Glaubensnacht werden schon die Konturen einer erneuerten Kirche sichtbar!“, ermutigte Fuchs, die Freude am Christsein nicht zu verlieren. In Zeiten des Übergangs, so warnte Fuchs, werden aber auch Ängste verstärkt. „Angstreaktionen führen dazu, krampfhaft das festzuhalten, was noch geblieben ist.“ Doch war sich Fuchs sicher, dass gegenwärtige reaktionäre Tendenzen in der Kirche keine Zukunft haben. „Die Kirche wird erwachsen!“, beschreibt Fuchs die Entwicklung, und dies gelinge wie in jeder Pubertät nur über viele Gemütsschwankungen und Trennungsschmerz. „Aber am Ende erwächst eine neue Liebesbeziehung zu Gott.“
Die neue Gestalt der Kirche und ihrer Gemeinden werde wohl geistlicher, gläubiger und geschwisterlicher sein, „und so müssen auch wir Christen werden“. So fasste der Bürener Pfarrer Peter Gede zum Schluss Vortrag und Diskussion zusammen.







