Eltern und Großeltern sprechen über ihren Glauben und den ihrer Kinder und Enkel
Wir hoffen: Gott verlässt sie nicht
„Wollt auch ihr weggehen?“ Auf diese Frage Jesu an seine Jünger gibt Petrus die berühmte Antwort: „Herr, zu wem sollen wir gehen. Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Gott wird sie nicht verlassen, das erhoffen sich Eltern auch für ihre Kinder und Enkelkinder.
von Richard Schleyer
Nein, sie wollen auch nicht weggehen! Ihrem Glauben, ihrem Gott wollen sie treu bleiben. Und sie wünschten sich das auch für ihre Kinder, Enkel und Urenkel. Das versichern die vier Ehepaare, die sich an diesem Sommerabend getroffen haben, um über das Evangelium und ihre Glaubenserfahrungen zu sprechen.
Da ist das Lehrerehepaar Beine mit den drei inzwischen erwachsenen Kindern. Zwei von denen sind sogar im kirchlichen Dienst gelandet, alle drei sind sie sehr sozial engagiert, waren in der katholischen Jugendarbeit aktiv. „Unsere Werte haben sie übernommen, darauf sind wir stolz.“ Doch, schränkt Hildegard Beine ein, vom Gottesdienstbesuch hätten sich ihre Großen wohl etwas dispensiert. Die lebten derzeit ihre Religiosität wohl etwas anders, eher mehr zurückgezogen. Marita Bracht, Hausfrau, Küsterin und frischgebackene Oma, weiß ähnliches zu berichten. Ihr Sohn, heute 27, sei als Kommunionkind so vom Glauben an Jesus erfüllt, ja fromm gewesen. Und heute bekomme sie von ihm so viele kritische Töne zu hören, über Kirche und Pastöre und den kirchlichen Betrieb. „Über den Glauben auch?“ Barbara Lieneke, als Gemeindereferentin in der Schulseelsorge tätig, fragt dies spontan dazwischen. Und löst bei den andern einen Nachdenk-Prozess aus. Nein, von ihrem Glauben an Gott werden seine Kinder und Enkelkinder wohl nicht weggehen. Bernhard Zinselmeier, pensionierter Lehrer, Musiker und vielfacher Großvater, zeigt sich davon überzeugt. Und der so urkatholische Mann beginnt zu differenzieren. Kritische Distanz zur Kirche bedeute noch nicht, dass die jungen Leute völlig ungläubig geworden seien. Im inneren Urvertrauen gegenüber Gott würden sie wohl weiterhin gehalten bleiben. Aber er wünsche ihnen auch die dazu notwendige Gemeinschaftserfahrung, wie sie leider längst nicht in allen Pfarrgemeinden möglich wäre. Auch er und seine Frau hätten sich erst mühsam die für sie passende wieder suchen müssen.
Wehmütig erinnert sich Karl-Heinz Bracht, Betriebswirt im Ruhestand und aktiver Schützenoffizier, an seine Jugendzeit. Da sei rund um die Kirche immer was losgewesen, die Jugend war angebunden. Zinselmeiers bestätigen: dieses Erfahrungsfeld sei für ihre Kinder und Enkelkinder schlichtweg ausgefallen. Bei denen fiel Kirche und Alltag auseinander.
Nun ist in der Runde die Zeit für Erinnerungen gekommen. Beines tritt ihre aktive Zeit in der Paderborner Studentengemeinde wieder vor Augen. Dieses geistliche Gemeinschaftserleben haben sie seither schmerzlich vermisst, bekennen Hans und Hildegard. In ihrer dörflichen Pfarrgemeinde seien sie, obwohl religiös und sozial interessiert, nie richtig dazwischengekommen, hätten keine geistliche Heimat gefunden. Und fühlten sich eher am Rande des innerkirchlichen Lebens, wie ihre Kinder jetzt wohl auch. Mit denen hätten sie selbstverständlich zu Hause noch gebetet. Jetzt aber, nur noch zu zweit alleine daheim, käme ihnen das komisch vor.
Da kann aber Marita Bracht einen Hoffnungsfunken beisteuern. Bei ihrer 33-jährigen Tochter erlebe sie, wie diese als junge Mutter plötzlich wieder die alten katholischen Formen hervorkrame und auf eine traditionelle religiöse Erziehung ihres Kleinen Wert lege. „Ja, das Religiöse kommt wieder, sobald die Kinder selbst Eltern werden“, bestätigt Winifred Zinselmeier, vielbeschäftigte Oma und kfd-Frau. In der Jugendphase hätten bei ihm auch andere Interessen im Vordergrund gestanden, bekennt Karl-Heinz Bracht. Da hätten ihn Glaube und Kirche weniger bewegt. Da habe er erst mal eine Pause von der strengen religiösen Erziehung im Elternhaus gebraucht. Erst nach der Heirat als Familienvater habe er wieder den kirchlichen Anschluss gesucht. Und noch viel später erst, als er schon lange über 50 Jahre alt war, habe er sich von dem anerzogenen negativen Bild eines strafenden Gottes lösen können, aus innerer Freiheit und Freude glauben gelernt.
Also sind Entwicklungen im Glauben möglich, hält Barbara Lieneke hoffnungsvoll fest, „auch bei unseren Kindern“. Deshalb sei es für sie tröstlich, wenn Jesus sage: „Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.“ Gott als Vater schenke den Glauben jedem, der sich ihm öffne. Und Barbara Lieneke dreht die Worte des Evangeliums einfach positiv um: „Wenn uns unser Glaube und das Vertrauen in Gottes Liebe so wichtig sind, dass wir auf keinen Fall weggehen möchten, dann zeigt das doch, dass der väterliche Gott und sein Heiliger Geist mit uns auf dem Weg sind.“ Davon zeigt sie sich überzeugt: Wenn Eltern und Großeltern fest darauf hoffen, dass der einmal gelegte Glaubenssame in ihren Kindern und Enkeln nicht verloren gehe, dürften sie auch vertrauen, dass der Heilige Geist diese weiter begleite. Reiner Lieneke, Versicherungskaufmann und Kirchenvorstand, pflichtet seiner Frau seufzend bei. „Ja, vielleicht tut sich zwischen Gott und unseren Kindern manches, das wir so gar nicht sehen.“
Er vertraue darauf, dass seine Kinder zu einem kritisch-gefestigten persönlichen inneren Glauben fänden. Ihm sei das Wissen um Gottes Liebe stets wichtiges Korrektiv und Kraftquelle zugleich gewesen. Das würde er auch seinen Kindern gönnen.







