Fachtagung der Caritas zu den verschiedenen Milieus in Deutschland und ihre Haltung zur Kirche
Wie „tickt“ die Gesellschaft?
Dortmund. Jeder kennt sie, doch wirklich wahrnehmen tun sie deshalb längst noch nicht alle: Die katholische Kirche in Deutschland. Sie genießt einen nicht zu übertreffenden Bekanntheitsgrad von 100 Prozent, doch ist sie für viele Menschen – besonders für diejenigen, die der Kirche nicht nahestehen – im Alltag kaum sichtbar. Selbst Einrichtungen der Caritas oder katholische Krankenhäuser und Kindergärten werden nur von wenigen als katholische Einrichtung erkannt.
von Ingrid Piela
„Einblicke in Lebenswelten der Deutschen“ bot jetzt die Caritas-Fachtagung, zu der mehr als 100 Gäste – Hauptamtliche und Ehrenamtliche aus Pastoralverbünden, Caritasgruppen, Pfarrgemeinderäten, Fachverbänden und -konferenzen – im Katholischen Centrum zusammen kamen. Michael Winter, Leiter der Fachstelle Gemeindecaritas beim Caritasverband für das Bistum Essen, stellte die Ergebnisse der sogenannten Sinus-Milieu-Studie vor. Sinn der Studie ist das Überprüfen der kirchlichen Angebote und ein verstärktes Suchen nach Antworten auf die immer wieder gestellte Frage, wie und mit welchen Mitteln die Menschen erreicht werden können.
Die bundesweit durchgeführte Studie, die von der Deutschen Bischofskonferenz im Jahr 2005 in Auftrag gegeben wurde, versucht Antwort zu geben auf die Frage, wie es um die religiöse und kirchliche Orientierung in Deutschland bestellt ist. Gefragt wurden die Probanden unter anderem nach Lebenssinn, Bedeutung und Forderungen an die Kirche. Ein Fazit der Studie ist, dass es besonderer Anstrengungen der Kirche bedarf, um die Menschen wieder zu erreichen. Chancenlos ist dies nicht, denn die Frage nach dem Sinn lässt sich in allen zehn in der Studie beschriebenen „Milieus“ finden.
Da gibt es die Gruppe der „Konsum-Materialisten“ oder der „Modernen Performer“, da gibt es die Tagträumer und die Experimentalisten. Man erkennt sie an ihren unterschiedlichen Antworten auf Fragen nach Lebenssinn und Weltanschauung, aber auch an Sprache und Gestik. Ja, selbst die Automarke, die gefahren wird, oder die Art der Wohnungseinrichtung von „cool“ bis „trutschig“ macht die Eingruppierung in ein Milieu möglich. Lebensvorstellungen, Konsumverhalten und Wertvorstellungen – all das fließt ein in die Sinus-Milieus, die Menschen gruppieren, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Und so unterschiedlich wie diese Milieus sind auch die Erwartungen ihrer Mitglieder an die Kirche und ihre Vertreter.
Michael Winter: „Wir müssen schauen, wie die Gesellschaft aussieht und wie die Menschen in den einzelnen Milieus ticken.“ Man müsse herausfinden, wie man den Menschen zentraler begegnen könne und wie man mit ihnen ins Gespräch komme und ihnen eventuell auch besser helfen könne. Dazu sei die Sinus-Studie eine hervorragende Hilfe. „Für Pastorale ist das unverzichtbar, diese Erkenntnisse aufzugreifen. Zwischen einzelnen Stadtgebieten müsse man differenzieren. Im Dortmunder Süden seien die Milieus höher angesiedelt, als im Dortmunder Norden, wo prekäre Milieus vertreten seien. Dies habe Auswirkungen auf die Arbeit bis hin zur Personalplanung. Referent Michael Winter ist als einer von 53 Multiplikatoren bundesweit in mehreren Workshops speziell mit der Untersuchung und ihren Ergebnissen vertraut gemacht worden. Durchgeführt wurde die Studie vom Heidelberger Sinus-Institut, weshalb sie auch den Namen Sinus-Milieu-Studie trägt.







