Bildband des Werler Fotografen Helmuth Euler wirft auch einen Blick auf das religiöse Leben
Wie Werl sich wandelte
Werl (-haus). Zu einer Reise durch die Geschichte seiner Heimatstadt lädt der bekannte Werler Fotograf Helmuth Euler mit seinem aktuellen Bildband „Werl im Wandel der Zeit“ ein. Euler hat dabei nicht nur selbst zur Kamera gegriffen, sondern auch sein umfassendes Archiv geöffnet und dabei manche seltene Aufnahme entdeckt. So schlägt dieser Bildband eine Brücke über Jahrzehnte. Er zeigt Veränderungen ebenso auf wie die zahlreichen Konstanten, die das Bild des alten Wallfahrtsortes bis heute prägen.
Immer wieder trifft der Betrachter dabei auf Perspektiven, aus denen wohl selbst viele alteingesessene Werler ihre Stadt noch nicht gesehen haben dürften. So etwa bei einem Panoramabild vom Turm der Propsteikirche über die Stadt; aufgenommen mit einer Spezialkamera, die eine spektakuläre Sicht auf die Kulisse des Wallfahrtsortes ermöglicht.
Das knapp 100-seitige Buch lebt allerdings nicht nur vom hohen fotografischen Anspruch Eulers: Ebenso reizvoll ist es, wenn der Werler einer historischen Aufnahme ein aktuelles Pendant aus der gleichen Perspektive gegenüberstellt und damit Entwicklung und Umgestaltung des Ortsbildes fassbar macht.
Aus dem Archiv des Werler Fotografen stammen auch die zahlreichen kolorierten Postkartenmotive, die sich früher großer Beliebtheit erfreuten. Gleichzeitig machen diese Aufnahmen deutlich, wie stolz die Werler damals auf die Modernisierung ihrer Stadt in mancher Beziehung waren. Etwa, wenn es um das Krankenhaus oder den Bahnhof ging.
Ergänzt werden die Bilder von Texten, die nicht nur Erläuterungen zu den abgebildeten Szenen oder Gebäuden geben, sondern darüber hinaus mit zahlreichen Informationen aufwarten, die auch Werl-Experten noch interessante Neuigkeiten liefern dürfte. Etwa, wenn es um den Glockenturm im Konvikt des Marien-Gymnasiums geht. Nach einem Disput mit der Stadtverwaltung einigten sich Bauherr und Verwaltung darauf, dass der Glockenturm gebaut werden durfte – allerdings ohne Glocken. Zu zahlreichen historischen Gebäuden liefert der Bildband neben den Außenaufnahmen auch entsprechende Innenansichten in zeitgenössischen Aufnahmen.
Eine Fülle von Fotografien widmet sich dem religiösen Leben in der Stadt. Breiten Raum nimmt dabei naturgemäß die Wallfahrt zur „Trösterin der Betrübten“ ein. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang Farbaufnahmen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Nachdem die Zahl der Pilger in der NS-Zeit stark zurückgegangen war, stieg diese in den ersten Nachkriegsjahren ungemein stark an. Dazu trugen besonders die Wallfahrten der Vertriebenenverbände bei. Diese Aufnahmen sind Dokumente von hohem zeitgeschichtlichen Wert, die darüber hinaus den großen Stellenwert der Religion im Leben der Menschen dieser Epoche eindrucksvoll belegen.
Für Werl-Kenner, die an ihrer Heimatstadt noch unbekannte „alte und neue Seiten“ entdecken möchten, dürfte dieser Band eine Fülle von Informationen liefern. Doch es braucht nicht unbedingt den direkten Bezug zu dem alten Wallfahrtsort am Salzbach. Dokumentiert das Buch doch in vielen Bereichen ebenso detailliert wie beispielhaft historische Entwicklungen, wie sie zahlreiche Kleinstädte in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht haben.
Euler kennt sich als gebürtiger Werler in der Geschichte seiner Heimatstadt aus, seine Aufnahmen zeigen in beeindruckender Weise, dass der Blick des professionellen Fotografen auch bei allseits bekannten Motiven noch neue Ansichten erschließen kann. Das hat er mit zahlreichen Büchern und Dokumentarfilmen über Jahrzehnte bewiesen. Dieser kleine, aber feine Bildband fügt sich nahtlos ein in die Reihe seiner anspruchsvollen Veröffentlichungen.







