Aktuelle Ausgabe
2012-20

Benediktiner Anselm Grün zu Gast in der Hagener Kirche St. Meinolf

Wie Leben gelingen kann

Großer Andrang herrschte, als Anselm Grün seine Bücher signierte. Foto: Piela

Hagen. Auf den „achtsamen Pfad zu gelingendem Leben“ begab sich jetzt Pater Dr. Anselm Grün in der Hagener St.-Meinolf-Kirche und nahm die rund 400 aufmerksam lauschenden Gäste mit. Zeitweise hätte man das berühmte Streichholz fallen hören können, so zog der Benediktinerpater, Autor und Cellerar der Abtei Münsterschwarzach die Zuhörer in seinen Bann. 

von Ingrid Piela 

„Nach Glück sehnen sich alle Menschen.“ Das habe schon Platon, der große griechische Philosoph, festgestellt. „Glücklich ist der Mensch“, so Anselm Grün, „wenn das Leben zur Blüte kommt.“ In den acht Seligpreisungen antworte Jesu auf diese Sehnsucht des Menschen nach Glück. Die acht Seligpreisungen bei Matthäus zeigten einen realistischen Weg zu gelingendem Leben, so der Pater.

Selig seien die, die nichts haben, nichts wollen und nichts wissen, erläuterte Anselm Grün die erste Seligpreisung. Wie „Hans im Glück“ sei derjenige glücklich, der ganz im Augenblick lebe, ursprünglich und authentisch. Selig seien auch die Trauernden, denn nur wer die Notwendigkeit zu Trauern erkannt habe – über verpasste Chancen, die eigene Durchschnittlichkeit – werde getröstet.

Selig sind die Gewaltlosen, die Sanftmütigen, denn sie werden Land besitzen, lautet die dritte Seligpreisung. Härte gegen sich selbst sei Ausdruck von Angst. Wer gegen sich wüte, binde seine Energie. Man könne nicht ändern, was man nicht zuvor angenommen habe.

Selig, wer hungert und dürstet, stehe für Gerechtigkeit. Nur wer sich selbst gerecht werde, bei dem seien Körper, Geist und Seele im Einklang. Auch soziale Gerechtigkeit gehöre dazu. Selig die Barmherzigen, so die fünfte Seligpreisung. Mütterlich solle man umgehen mit dem verletzten inneren Kind. Der innerliche Richter verurteile, doch man solle nicht bewerten. „Es ist wie es ist“, so Anselm Grün. Die sechste Seligpreisung gilt denen, die reinen Herzens sind: „Sie werden Gott schauen.“ Selig auch die, die Frieden stiften – in der Gesellschaft, aber auch Frieden mit sich selbst gestalten. Die Kunst sei es, die Feinde zu Freunden zu machen. 

Als er vor 46 Jahren ins Kloster gegangen sei, so der 65-Jährige, habe er alle seine Fehler ausrotten wollen. Nach zwei Jahren hatte er gelernt, mit seiner Angst und seiner Empfindlichkeit Frieden zu schließen: „Alles hat einen Sinn.“ Auch die achte Seligpreisung – selig sind die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden – trage zu gelingendem Leben bei, wenn man sich bei Krankheit, Leid oder Unglück frage: Was will es mir sagen?

Nach seinem Vortrag ging Pater Anselm Grün auf die – durchaus auch kritischen – Fragen der Zuhörer ein. Bevor er seine Bücher signierte, schloss er den Abend mit einer Meditation.

Der Vortrag wurde von „Ökumene vor Ort“ und dem Katholischen Bildungswerk im Dekanat Hagen-Witten organisiert. 

 


24.05.2012
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