Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Werben für Organspenden

von Andreas Wiedenhaus 

Künftig soll jeder Bürger einmal in seinem Leben mit der Frage konfrontiert werden, ob er zu einer Organspende bereit ist. Darauf haben sich die im Bundestag vertretenen Fraktionen geeinigt. Bis zum Jahresende soll ein gemeinsamer Antrag vorliegen.

Die Initiative hat einen ernsten Hintergrund: Noch immer gibt es in Deutschland zu wenige Organspender. Etwa 12000 Menschen warten jährlich auf eine Organspende, 1000 von ihnen sterben, weil kein Organ rechtzeitig zur Verfügung steht.

Inwieweit die neue Initiative da Abhilfe schaffen kann, muss man abwarten. Mit „soviel Nachdruck wie möglich“ soll die Bereitschaft zur Spende abgefragt werden, etwa beim Versand der Versichertenkarte. Sanktionen werden ausdrücklich ausgeschlossen. Die Verständigung ist sicherlich ein erster Schritt in die richtige Richtung. Allerdings bleibt eine ganze Reihe von Fragen offen.

So hat der Augsburger Weihbischof Anton Losinger auf das Problem hingewiesen, wie etwa mit der Verweigerung einer Antwort umgegangen werde. Dann dürfe nicht stillschweigend von einer Zustimmung ausgegangen werden. Losinger, Mitglied der Unterkommission „Bioethik“ der Bischofskonferenz und des Deutschen Ethikrates, begrüßte die Regelung grundsätzlich, mahnte aber gleichzeitig eine offene Diskussion über das Thema „Hirntod“ an, das untrennbar mit der Organspende verknüpft sei.

Ausschlaggebend wird sein, durch den jetzt angestoßenen Dialog Vertrauen zu schaffen und dieses wichtige Thema präsenter zu machen. Eine Entscheidung unter Druck aber würde in die falsche Richtung führen.

 

 


24.05.2012
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