Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Wer sein Haus auf Fels baut

Werner Schaube ist Leitender Direktor des Studienseminars für Lehrämter an Schulen in Dortmund.

Wenn Worte zur Tat werden, entfalten sie ihre besondere Tragfähigkeit und Glaubwürdigkeit. 

von Werner Schaube 

Haben wir gerade richtig gelesen? Haben wir etwas falsch verstanden? Ist das ein Spezial-Evangelium für Bauherren, Statiker, Architekten? Ein Text, der uns von gravierenden „Bausünden“ erzählt und uns deren Folgen anschaulich vor Augen führen will? Wohl kaum! Das einprägsame Bild vom „unvernünftigen Mann, der sein Haus auf Sand baute“, dient lediglich zur Verstärkung des klaren Wortes, das Jesus an seine Jünger richtet. Diese Aussage Jesu gilt auch unausgesprochen, weil sie in der Begegnung mit ihm immer wie ein großes Ruf-Zeichen in Raum und Zeit steht. 

Es ist der Anspruch, der sich aus der Begegnung mit Jesus ergibt: Es gilt, den Willen Gottes zu erfüllen. „Ihr könnt machen, was ihr wollt, aber es gibt diesen einen Maßstab!“ –vor allem daran wird ausdrücklich erinnert.

Dieses dramatisch wirkende „Szenen-Bild“ des Matthäus-evangeliums macht einiges sichtbar: Jesus spricht Klartext. Er spricht vom „Vater im Himmel“ als Bezugspunkt seiner Botschaft. Er spricht vom radikalen Ernstfall des Glaubens mit allen Konsequenzen. Er lässt keine Ausreden gelten, er rät zur entschiedenen Klugheit. 

Spielen wir das alles einmal im zwischenmenschlichen Bereich durch: „Große Sprüche und nichts dahinter“, „viel reden und nichts tun“, „andern Wasser predigen und selbst Wein trinken“, „im Glaskasten sitzen und mit Steinen werfen“.  – Es gibt jede Menge Sprichwörter und Lebensweisheiten, die wir sinngemäß mit diesem Wort Jesu in Verbindung bringen können. Es geht dabei stets um den Anspruch von Redlichkeit einerseits und die Nagelprobe unserer Glaubwürdigkeit andererseits; es geht dabei auch um den Ernstfall des Menschseins. Es gehört nun mal zum Gelingen des gesellschaftlichen Miteinanders, dass ein Wort eigentlich erst dann gilt, wenn es zur Tat wird. Man muss sich darauf verlassen können, man kann darauf bauen: Das ist eine wichtige Erfahrung, die zum Beispiel im Umgang und in der Erziehung mit Kindern und Jugendlichen von grundlegender Bedeutung ist. Nur so können wir das Ur-Vertrauen der Kleinen und Heranwachsenden fördern und stärken.

Wenn dieses Erfahrungswissen nicht nur zur persönlichen Werte-Orientierung gehört, sondern Bestandteil des „Weltgewissens“ ist, dann wird es wohl auch die Beziehung des Menschen zu Gott entscheidend prägen. Also: „Nicht jeder, der zu mir sagt Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen ...“ Jesus will was das betrifft aufklärend überzeugen, will diesen Zusammenhang geradezu beschwörend mit allem Nachdruck und in letzter Konsequenz seinen Jüngern deutlich machen. 

Diese eindringliche Ermahnung trifft natürlich auch den Nerv unseres Christseins.

Aber was vordergründig fast bedrohlich klingt, darf gerade deshalb als ermutigende Einladung verstanden werden: Wer das Wort Gottes hört und den Willen Gottes tut, baut nicht auf Sand, sondern wird zum Fels in der Brandung. Das letztlich „beruhigende“ Verständnis des Textes ergibt sich aus der persönlichen Betroffenheit eines jeden einzelnen wie auch der christlichen Gemeinde, die sich immer wieder versammelt, um Gottesdienst zu feiern. Ziehen wir also den befreienden und frohmachenden Umkehrschluss aus einem Evangelium, das sich wirklich an alle richtet, nicht nur an Bauherren oder Architekten.

 

 


24.05.2012
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