Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Wenn aus dem Nein ein Ja wird

Monika Porrmann ist Dipl.-Theologin und Pädagogische Mitarbeiterin der Landvolkshochschule Hardehausen.

Gott hilft uns, unser anfängliches Nein in ein Handeln zu verwandeln, das seinem Willen entspricht. 

von Monika Porrmann 

Im Mittelpunkt des Evangeliums vom 26. Sonntag steht ein Gleichnis, schnell eingängig und für jedermann verständlich. Folgendes geht voraus: Jesus hat vom kommenden Reich Gottes erzählt – erst den Jüngern, dann gesellen sich die Pharisäer und Ältesten dazu. Sie haben große Schwierigkeiten, zu verstehen, dass es Jesus nicht um äußere Gesetzeserfüllung geht, sondern um die innere Haltung. Also greift er zum wiederholten Mal zu einem Gleichnis.

Ein Mann fordert seine beiden Söhne unabhängig von- einander auf, die anstrengende Arbeit im Weinberg zu übernehmen. Er droht nicht, fordert nicht, sondern bittet. Damit haben die Söhne Entscheidungsfreiheit. Und mit dieser Freiheit beginnt das Problem. Vier Reaktionsweisen wären möglich. Die Söhne könnten die Bitte des Vaters erfüllen oder ablehnen. Damit wäre alles klar. Aber so einfach ist das leider nicht mit uns Menschen. Jesus weiß, dass wir immer auch von Emotionen bestimmt werden. Erkenntnis und Handeln sind  nicht zwangläufig deckungsgleich.

Jesus nennt zwei weitere Varianten. Der erste Sohn erfüllt gehorsam den Wunsch seines  Vaters, um dann doch das zu tun, wozu er Lust hat. Wie oft haben wir dieses oberflächliche „Ja, ja“  bei Kindern, Freunden, Kollegen – und auch bei uns selbst gehört? Fast automatisch reagieren wir zustimmend auf entsprechende Aufforderungen. Hauptsache, man hat dann seine Ruhe. Nach der abgenötigten Zustimmung kommt jedoch schnell die Unlust. Und alle braven Zugeständnisse lösen sich auf. Was bleibt, ist das Gefühl von Unzuverlässigkeit und Unverbindlichkeit. Das geht auf Kosten der gelingenden zwischenmenschlichen Beziehungen – aber auch auf Kosten der inneren Zufriedenheit! Das widerspricht Jesu Kernaussage von der tätigen Nächstenliebe. 

Und dann die vierte Möglichkeit: Zunächst ein klares Nein. Und dann, so Jesus: „Später aber reute es ihn“. Und auch diese spontane Reaktion des scheinbar undankbaren, nicht  gehorsamen Sohnes ist uns geläufig: Oft bestimmen Unlust, Ruhebedürfnis, Mangel an Energie und Einsatzbereitschaft unser Verhalten. Aber die Bitte des Vaters, seine Erwartung lässt den Sohn nicht kalt.  Jesus lockt die richtige Antwort auf seine Frage, welcher der beiden Söhne sich letztendlich richtig verhalten habe, aus den Zuhörern heraus: Derjenige, der seine Fehlerhaftigkeit erkennt und bereit ist, trotz innerer Widerstände Zeit und Energie einzusetzen und das Notwendige zu tun. 

Was bedeutet dieses Gleichnis für unser Leben? Die Forderung Jesu, in und aus Liebe zu handeln und persönliche Interessen zurückzustellen, bleibt entscheidend. Aber nicht als eine Leistung, die uns vor Gott gerecht macht.  Stattdessen führt Jesus „Zöllner und Dirnen“ an, die um ihre menschlichen Schwächen wissen. Auch wir sind noch nicht heilig und vollkommen und werden es auch nicht durch äußere Pflichterfüllung, worauf sich die Pharisäer so gerne berufen. 

Ist es nicht tröstlich, dass Gott um unsere Fehlerhaftigkeit und Schwächen weiß? Er lädt ein, sich den eigenen inneren Widerständen zu stellen und dabei auf seine Hilfe zu vertrauen. Jesus Christus „arbeitet“ mit unserer Menschlichkeit. Er fordert weder Perfektion, schon gar nicht oberfächlichen Gehorsam.

Ist uns nicht die Rolle des zweiten Sohnes längst „in Fleisch und Blut“ übergegangen? Schwacher Mensch sein zu dürfen, Wahlfreiheit zu haben – und die Zusage, dass er bei uns ist, wenn wir ihn in unser Leben und Handeln einbeziehen. 


24.05.2012
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