Aktuelle Ausgabe
2012-20

Die katholische Kindertageseinrichtung St. Clemens ist auf dem Weg zum Familienzentrum

Weit mehr als Pädagogik

Austausch ist wichtig in einem Familienzentrum, das wissen (v. l.) Integrationskraft Jessica Engelns-Wieland, Kindergartenleiterin Annette Dreier und Jutta Browarzyk, Heilpädagogin der Frühförderstelle. Foto: Lakenbrink

Rheda-Wiedenbrück. Die Arbeitstage von Annette Dreier sind im Moment alles andere als alltäglich. Die Leiterin der katholischen Kindertageseinrichtung St. Clemens I in Rheda hat derzeit einiges zu organisieren. Gemeinsam mit der benachbarten evangelischen Kindertageseinrichtung „Sonnenschein“ wurde in den vergangenen Monaten der Weg für ein gemeinsames ökumenisches Familienzentrum geebnet. „Rheda-Mitte“, so der Name des Familienzentrums, steht kurz vor der Zertifizierung durch die nord­rhein-westfälische Landesregierung.

von Ruth Lakenbrink

„Nordrhein-Westfalen soll das kinder- und familienfreundlichste Bundesland in Deutschland werden. Ein Meilenstein auf diesem Weg ist die Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren“, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration (MGFFI) des Landes Nord­rhein-Westfalen.
Doch was bedeutet das konkret für die Einrichtungen vor Ort? „Ein Familienzentrum geht deutlich über die pädagogische Arbeit hinaus“, kann Annette Dreier aus eigener Erfahrung berichten. Schließlich ginge es darum, der ganzen Familie die Möglichkeit zu eröffnen, Beratung und Hilfestellungen zu bekommen.
Um eine „Verbesserung der frühkindlichen Bildung und Förderung“, wie es auf der Internetseite des MGFFI weiter heißt, zu erreichen und eine „Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie präventive Hilfe“ zu erleichtern, muss ein herkömmlicher Kindergarten nun deutlich mehr als bisher leisten. Dazu gehören verschiedene Beratungsangebote ebenso wie Familienbildung oder eine Erleichterung der Betreuung durch qualifizierte Mitarbeiter oder Tagesmütter, wenn die Eltern kurzfristig einen Termin wahrnehmen müssen.
„Wir haben zunächst eine Sozialraumanalyse durchgeführt und die Eltern nach ihren Wünschen befragt“, berichtet die Kindergartenleiterin. Dadurch kristallisierten sich einige Schwerpunkte innerhalb des von der Landesregierung gesteckten Rahmens heraus. „Wir möchten den christlichen Aspekt deutlicher in den Vordergrund rücken“, sagt Annette Dreier. Daher sind ab dem kommenden Jahr etwa regelmäßige Bibelwochen geplant. Gesprächsangebote für die Eltern mit den Pfarrern vor Ort oder religionspädagogische Gesprächsabende gibt es bereits.
Keine leichte Aufgabe, da sich das Familienzentrum gleichzeitig auch um die Integration etwa von Muslimen kümmern soll. Doch auch dafür bietet „Rheda-Mitte“ verschiedenste Angebote, vom gemeinsamen Frühstück der Eltern über Sprachkurse in Kooperation mit der Diakonie und die Vermittlung eines Dolmetschers bis hin zum interkulturellen Trommelfest.
Ebenfalls in Kooperation mit der Diakonie bietet das ökumenische Familienzentrum auch Erziehungs- und Familienberatung an. „Wir stellen doch immer wieder fest, dass Eltern nicht mehr so belastbar sind wie früher“, berichtet Dreier und führt das auch auf die gestiegenen Berufsanforderungen zurück. Daher sollen verschiedene Gesprächs-, Vortrags- und Kursangebote die Erziehungskompetenzen der Eltern stärken. Das kann ein Kochkurs zum Thema gesundes Kochen ebenso sein wie ein Vortrag über Zahngesundheit oder eine Führung durch die städtische Bibliothek.
Ein Schwerpunkt des Familienzentrums „Rheda-Mitte“ liegt auf der Notfallbetreuung. Gemeint ist, dass eine Kinderbetreuung durch die beiden Einrichtungen gewährleistet wird, wenn die Eltern zu einem dringenden Termin müssen. Das kann schon mal eine Mutter sein, die aus Bremen kommt, sich aber bei einer Firma im Kreis Gütersloh vorstellen möchte und nicht weiß, wohin mit dem Kind.
Dazu gehört auch die Vermittlung und Ausbildung von Tagesmüttern. Denn: „Ein Familienzentrum heißt für uns auch, dass die Erzieher alles rund um die Familie wissen und die Eltern an die entsprechenden Stellen weiterleiten können.“ Wenngleich das Mehr an Aufgaben kein Mehr an Personal bedeutet.


24.05.2012
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