Aktuelle Ausgabe
2012-20

Von Propst Andreas Coersmeier

Weihnachts- und Neujahrsgruß

Mit den Jahren hat man sich an ihn gewöhnt, den „größten Weihnachtsbaum“ auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt. Die „junge kirche“ feierte 2010 sogar ihren Gottesdienst an Heiligabend im Innern der großen Tanne.  

In diesem Jahr sollte dem 45 Meter hohen Riesen die Krone oder besser der Ball aufgesetzt werden. Schließlich ist der BVB Deutscher Fußballmeister. Da hörte für viele dann doch der Spaß auf.

Ein Ball auf dem Baum, wo sonst der Engel thronte – da fehlte es den Veranstaltern wohl am richtigen Gespür. Es gab breiten Protest und der Ball wurde wieder eingemottet. Nun leuchtet dort der Engel, wie jedes Jahr. Das Gute an dieser Posse ist eigentlich, dass an den öffentlichen Reaktionen deutlich wurde, die Menschen erkennen den Sinn von Weihnachten als religiöses Fest durchaus. Es ist eben nicht nur irgendeine Feier, bei der man mal eben den Engel gegen einen Fußball tauschen kann. Mir scheint es dennoch, dass es von Jahr zu Jahr lauter und greller um das Fest wird. Dabei sehnen sich viele Menschen nach Ruhe und Stille. 

Im Sommer 2011 griff die Katholische Stadtkirche diesen Wunsch auf und lud zur „Sehnsuchtsoase“ im Klostergarten der Propsteikirche ein. Die zwei Projektwochen waren ein voller Erfolg. Die ganze Zeit über hielten sich Menschen im Garten und im Kreuzgang auf. Aus den Reaktionen wird deutlich, dass viele Menschen solche Ruhepole, die zugleich Anregung sind, suchen. „Ein Angebot zum richtigen Zeitpunkt für mich“, schrieb ein Besucher und eine Besucherin meinte: „Hier ist Kirche wirklich beim Menschen!“ Die „Sehnsuchtsoase“ wird es wieder geben, jedoch nicht schon 2012, aber im Sommer 2014 hat der Klostergarten voraussichtlich wieder mit einem zweiwöchigen Programm geöffnet. 

Mit dem Advents- und Weihnachtssymbol „Licht“ meldete sich die „junge kirche“ nach kurzer Programmpause mit neuem Team zurück. Mit Beginn des neuen Jahres wird es wieder regelmäßig besondere Angebote für junge Menschen geben. 

Projekte, wie die „Sehnsuchtsoase“, die „junge kirche“ oder im kommenden Jahr „Kirche im Norden“ mit Angeboten in der Dortmunder Nordstadt, werden künftig noch an Bedeutung gewinnen. Denn es gilt „alle Orte und Gelegenheiten des Christseins zu stärken und zu profilieren“, wie es in der „Perspektive 2014“ des Erzbistums Paderborn formuliert ist. Von einem „Netzwerk kirchlicher Orte“ sprach in diesem Zusammenhang auch Martin Wrasmann, der im März 2011 Ideen zur Gemeindeentwicklung vorstellte. Zu diesem Netzwerk zählt er unter anderem neben der Kerngemeinde auch katholische Kindertageseinrichtungen, Schulen, Krankenhäuser oder Altenheime. Hier sei eine „lebensraumorientierte Evangelisation“ möglich, die sich an der Situation der Menschen orientiere. Diese Ideen und weitere Fragestellungen werden die katholische Kirche in Dortmund auch im kommenden Jahr beschäftigen, wenn es weiter darum geht, das Leben in den größer werdenden Pastoralen Räumen zu gestalten. Die Pastoral soll einen möglichst lebendigen Glauben von Christen und Christinnen fördern. Wie sich dies unter den sich ändernden kirchlichen und gesellschaftlichen Bedingungen gestalten lässt, ist eine zentrale Frage. Es gibt eine erfreuliche Bereitschaft von vielen daran mitzuwirken. Das wurde auch noch einmal bei den Visitationen von Erzbischof Hans-Josef Becker und Weihbischof Manfred Grothe im Dekanat Dortmund deutlich. 

Dialog ist dabei wichtig, im Kleinen, wie im Großen. In drei Podiumsveranstaltungen wurden 2011 drängende Fragen aufgegriffen. ZdK-Präsident Alois Glück war bei uns zu Gast und betonte: „Wir sollten partnerschaftlich und auf Augenhöhe um den besten Weg ringen. Es geht nicht nur darum, die Missbrauchsfälle aufzuarbeiten, sondern um eine Erneuerung unserer Kirche.“

Das bedeutet auch, offen zu sein für Prozesse des Wandels. Vor gut einem Jahr wurde die zur Grabeskirche umgewidmete frühere Pfarrkirche Liebfrauen eingeweiht. Inzwischen hat sich die Grabeskirche zu einem besonderen pastoralen Ort entwickelt. Seit November gibt es dort die „Grabstätte für Unbedachte“, in der – vorwiegend wohnungslose Verstorbene – beigesetzt werden. Dies ist Teil des Engagements von katholischer und evangelischer Kirche gegen die vollständig anonyme Beisetzung mittelloser Verstorbener. Dazu zählen auch die regelmäßigen Gottesdienste für Unbedachte, die 2011 ebenfalls in der Grabeskirche Liebfrauen gefeiert wurden. 

„Zukunft im Dialog!“, hieß das Thema des Lichtmesstreffens 2011 bei dem Professor Sander referierte: „Laien sind nicht das ‚Unterste‘, sondern die tragende Basis. Gott ruft sein Volk zusammen – und das sind wir alle, jeder und jede von uns.“ Daran knüpfen wir im neuen Jahr an. „Kirche ist bunt. Das Wissen und Können der Vielen“, heißt die Überschrift des Lichtmesstreffens 2012 am 3. Februar. Dann geht es erneut um Mitwirkung aller Getauften an der Sendung der Kirche. 

Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2012. 

Propst Andreas Coersmeier 

Stadtdechant


24.05.2012
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