Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gegen den Trend sinkende Einwohnerzahlen bringen Probleme für Kommune und Kirche

Warsteiner werden immer weniger

Warstein schrumpft gegen den Trend: Eigentlich wachsen Städte dieser Kategorie. Die Kommune will gegensteuern. Foto: Lankowski

Warstein. Besorgniserregende Zahlen veröffentlichte das Landesamt für Datenverarbeitung für die Stadt Warstein: Das Amt stellte fest, dass sich Warsteins Bevölkerungsentwicklung entgegen dem NRW-Trend einer „Kleinen Mittelstadt mit unter 50 000 Einwohnern“ entwickelt. Dies lässt nicht nur die Stadtführung aufhorchen, auch in den Kirchengemeinden der beiden Pastoralverbünde „Warstein“ und „Möhnetal“ ist die Problematik bekannt.

 

von Dirk Lankowski

 

Im Stadtgebiet ist die Einwohnerzahl deutlich rückläufig. Eigentlich untypisch für eine Stadt dieser Kategorie. Für Warstein bedeutet dies in absoluten Zahlen, dass im Jahr 1977 über 500 Menschen mehr im Stadtgebiet wohnten als Ende 2007. 1977 waren es noch 28536 Einwohner, am 31. Dezember 2007 nur noch 28 008. Im Jahr 1997 waren es gar 1 160 Einwohner mehr als zum heutigen Zeitpunkt – eine drastische Entwicklung. Also sank die Bevölkerungszahl an Möhne und Wäster im Vergleich zu 1977 um zwei Prozent. Demgegenüber steht, dass sich die Bevölkerungszahlen in der Kategorie dieser Mittelstädte im Landesdurchschnitt um etwa 13 Prozent seit 1977 erhöht haben.

Für den Bevölkerungsrückgang in Warstein ist sowohl die rückläufige Geburtenrate verantwortlich als auch der Umstand, dass die Zahl der Zugezogenen seit 2002 stetig sinkt. Gleichzeitig zogen immer mehr Menschen aus Warstein fort. Dies bedeutet, dass Warstein nicht von dem jahrelangen Trend der Großstadtflucht profitieren konnte. Auch starben zwischen 2003 und 2007 in Warstein mehr Menschen als im Durchschnitt der anderen Mittelstädte. Gleichzeitig gab es weniger Neugeborene. Zudem gibt die Altersstruktur Warsteins Anlass zur Sorge. Lebten dort vor 30 Jahren noch knapp 4 000 unter Zehnjährige, so waren es am 31. Dezember 2007 nur noch knapp 2 500 unter Zehnjährige. Gleichzeitig stieg die Zahl der über 70-Jährigen innerhalb von 30 Jahren von knapp 2 500 auf über 4 000.

Zu spüren bekommen die beiden Pastoralverbünde den demografischen Wandel besonders deutlich. Während der Pastoralverbund Möhnetal im Jahr 1997 noch 9856 Katholiken zählte, sind es im Jahr 2007 nur noch 8 950 Gläubige. Thomas Wulf, Pfarrer in der Stadtpfarrei St. Pankratius und Pastoralverbundsleiter, kann sogar auf noch weiter zurückliegende Zahlen verweisen. Die St. Pankratius-Gemeinde hat demnach in den vergangenen 20 Jahren rund 800 Katholiken verloren. 1988 waren es 6 000, heute sind es rund 5200.

In der Pfarrvikarie St. Petrus sank die Zahl der Katholiken von 1 810 im Jahr 1988 auf heute 1 434. In der St.-Christophorus-Gemeinde in Hirschberg ist der Trend ähnlich. Vor 20 Jahren lebten dort 1 619 Katholiken, heute zählt die Pfarrgemeinde 1 449 Mitglieder. Und in der vierten Gemeinde des Pastoralverbundes, in St. Johannes Suttrop, sank die Katholikenzahl von 2696 auf 2331.

Pfarrer Wulf spürt den Bevölkerungsrückgang deutlich. „Es gibt Warnsignale – wir müssen gucken, was dahinter steckt – aber wenn wir einen Kommunion-Jahrgang in Hirschberg von sieben Kindern haben, ist das sehr deutlich“, so Wulf, „schließlich waren es sonst immer um die 20 Kinder.“

„Wir verlieren nicht durch Austritte“, macht Pfarrer Wulf deutlich, „wir haben mehr Beerdigungen als Taufen.“ So standen im letzten Jahr in der Stadtpfarrei 40 Taufen an, gleichzeitig aber 83 Beerdigungen. Für die Kirche in Warstein wird der demografische Wandel zur Herausforderung: „Wir müssen uns überlegen, wie wir zukünftig das kirchliche Leben gestalten.“

Aber auch für die Kommune wird das Problem immer größer. Ohne ein Eingreifen der Stadtverwaltung, der Politik, ohne Ideen gegen diesen Trend, der sich seit langem abzeichnet, wird die Bevölkerungszahl allein durch die aktuell geringe Anzahl Kinder sehr bald drastisch sinken. Bürgermeister Manfred Gödde und die Stadtverwaltung haben sich des Problems angenommen.

„Wir sind dabei, den Demografiebericht zu analysieren“, so Gödde. „Und wir stellen einen Maßnahmenkatalog auf, der wird bald der Politik und Öffentlichkeit vorgestellt“, erklärt Warsteins erster Bürger. Dabei sieht Gödde die Kirche in einer wichtigen Rolle, etwa mit ihren Leistungen für Senioren im Bereich der Caritas-Konferenzen im Stadtgebiet.


24.05.2012
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