Die Stationen des Kreuzweges auf dem Friedhof in Erwitte-Horn werden zurzeit restauriert
„Von kunsthistorischer Bedeutung“
Erwitte-Horn. Der Kreuzweg in Horn wurde 1866 unter dem damaligen Pfarrer Topp wohl ausschließlich aus Spenden finanziert und rund um den alten Friedhof aufgestellt. Er ist, nicht nur wegen seiner kunsthistorischen Bedeutung, ein wesentlicher Bestandteil des Horner Friedhofs. Im Zuge einer geplanten und notwendigen Renovierung nach fast 90 Jahren ergaben Recherchen des Westfälischen Amtes für Denkmalschutz im Jahre 2001, dass die in den Jahren 1844 bis 1846 von Joseph Ritter von Führich in der Wiener Nepomukkirche gemalten Fresken als Vorlage für die Reliefs gedient hatten.
von Josef Eickhoff
Führichs 14 Kreuzwegbilder sind seither wohl die meist gemalten Kreuzwegdarstellungen weltweit. Wesentlich seltener aber ist eine plastische Kopie. In den Horner Terrakotta-Reliefs sind die Fresken nach der Beurteilung der Denkmalpfleger „routiniert in eine plastische Form umgesetzt“. In dem Schreiben heißt es weiter: „Die ursprünglichen Kreuzwegreliefs zeichnen sich durch einen hohen künstlerischen Anspruch aus, der Figurenreichtum, differenzierte Kulisse, spannungsreiche Komposition und gekonnte plastische Ausführung ausdrückt.“
Es wird vermutet, dass es sich nicht um Unikate handelt, sondern dass die Reliefs in einer größeren Serie hergestellt worden sind. Fehlende Aufzeichnungen über die Anschaffung und Herkunft in den Archiven lassen darauf schließen, dass die Finanzierung ausschließlich durch Spenden erfolgte. In der künstlerischen Bewertung schreibt Dr. Strohmann: „Obwohl es sich bei den Terrakotta-Reliefs nicht um Unikate handelt, sind solch qualitätsvolle Arbeiten heute nur noch selten in so vollständigem und trotz aller Schäden gutem Zustand erhalten. Aus diesen Gründen kommt dem Horner Kreuzweg eine über den engeren regionalen Bezug hinausgehende kunsthistorische Bedeutung zu.“
Die Terrakotta-Reliefs sind in schlichten Sandsteingehäusen untergebracht. Hinter den Reliefs und im Dreiecksgiebel der Stationsgehäuse befindet sich jeweils ein kleines Kreuz aus Holz, als Erinnerung an das von Jesus getragene Holzkreuz.
Als 1923 der Friedhof erweitert wurde, erhielten auch die Kreuzwegstationen ihren jetzigen Standort an der nördlichen Grenze des ursprünglichen Friedhofs. Die Gehäuse und Reliefs waren damals stark beschädigt und bedurften der Renovierung. Die Reliefs der Stationen X und XII fehlten ganz. Sie wurden aus gemahlenem Stein und Zement neu gefertigt. Da zu dieser Zeit der Bezug zum Führich-Kreuzweg nicht bekannt war, weichen sie in der künstlerischen Qualität und Darstellung von den anderen ab. Vermutlich waren auch die Reliefs der Stationen VIII und XI beschädigt, denn die Hand Christi (Station VIII) und der Oberkörper des nagelnden Soldaten (Station XI) sind Teilergänzungen.
Mit der Erneuerung und Polychromierung der Reliefs begann der Horner Kirchenmaler Franz Pehle im März 1923. Der Bildhauer Topp aus Klieve erstellte die Kreuze auf den Dreiecksgiebeln der Stationen neu. Das Relief der I. Station ist nach 1923 spurlos verschwunden. Augenblicklich laufen Bemühungen zur Neuanschaffung. Es ist jedoch schwierig, einen Künstler zu finden, der das Relief nach dem Führichbild gestaltet.
Der renovierungsbedürftige Zustand der Stationsgehäuse und Reliefs führte 2001 zur Begutachtung durch das Amt für Denkmalpflege. Zurzeit wird die Renovierung – je nach den durch Spenden und Zuschüsse eingehenden Mitteln – von dem Restaurator Klaus Lerchl aus Lippstadt-Cappel und den Bildhauer Eberhard Tiemann aus Erwitte durchgeführt. Drei Stationen sind inzwischen fertiggestellt, zwei weitere befinden sich in Arbeit.







