Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Vom Preis der Jesus-Nachfolge

Heinz-Josef Löckmann ist Pfarrer von St. Joseph Paderborn-Marienloh und Leiter des Pastoralverbundes Eggevorland.

Jesus spielt mit offenen Karten, wenn es um die Frage der Nachfolge geht. 

von Heinz-Josef Löckmann 

Als der heilige Ignatius von Antiochien im hohen Alter von 80 Jahren als Gefangener zum Martyrium nach Rom überführt wird, schreibt er den Gemeinden Kleinasiens von unterwegs Briefe. In einem bekennt er: „Jetzt fange ich an, ein Jünger Jesu Christi zu sein.“ Ignatius hatte damals schon  ein langes Christen- und Bischofsleben hinter sich. Wir dürfen davon ausgehen, dass er ein Leben lang versucht hat, glaubwürdig zu leben. An das Jüngersein allerdings stellt er so hohe Ansprüche, dass er sich diesbezüglich noch als 80-jähriger Mann  als Anfänger betrachtet.  

Diese Einstellung ist nicht unbegründet, wie das  Evangelium zeigt. Ein Jünger Jesu ist nicht irgendwer. Ein Jünger Jesu ist vielmehr mit seinem Meister und letztlich sogar mit Gott identisch. „Wer euch aufnimmt“, sagt Jesus, „der nimmt mich auf und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat“ – den Vater im Himmel (Mt 13,40).  Deshalb steht der Jünger in der Reihe der alttestamentlichen Propheten und Gerechten. Wer ihn aufnimmt, wird seinen Lohn erhalten, selbst derjenige, der ihm nur ein Glas Wasser gereicht hat.  

Allerdings geht es dem Jünger konsequenterweise auch nicht anders als Jesus selbst:  „Der Sklave ist nicht  größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15,20). Damit wird deutlich: die Nachfolge Jesu schenkt nicht einfach Frieden und Glück. Sie führt immer wieder in  Verfolgung und Streit hinein. Auch das zeigt Matthäus. Da wird zu Beginn des Evangeliums von einem innerfamiliären Konflikt gesprochen. An sich ist der Friede in einer Familie sehr wertvoll. Was aber, wenn sich die eigenen Eltern oder die eigenen Kinder gegen die Entscheidung eines Familienmitglieds sperren, Jesus nachzufolgen? Das Evangelium weist in eine eindeutige Richtung: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig“ (Mt 10,37).

 Jesus kennt hier keine Kompromisse –  ebenso wenig wie im Blick auf die Kreuzesnachfolge. Dem Jünger Jesu bleibt das Kreuz nicht erspart, will er da sein, wo Jesus ist. Und so wird von dem Jünger Verzicht und Einsatz verlangt. Nur wenn er bereit ist, das Leben um Jesu willen zu verlieren, wird er es gewinnen. Das sind herbe Worte und nach landläufiger Meinung kaum geeignet, die Nachfolge Jesu schmackhaft zu machen.  Allerdings, dass Jesus hier nicht einfach Glück verheißt, sondern die Herausforderungen der Nachfolge mit allen Ecken und Kanten beschreibt, zeigt, dass er kein Scharlatan ist. Er macht den Menschen nichts vor. Er beschreibt, was auf sie zukommt, wenn sie die Nachfolge wagen. 

Warum sollten sie es tun, wenn der Weg doch so schwer ist? Einfach deshalb, weil es sich um Jesu willen lohnt. Wer ihn hat, der hat alles.  Der Jünger Jesu ist froh, weil er Jesus gefunden hat. Wer Jesus auf dem Kreuzweg folgt, wird mit ihm auch Ostern erleben. Und so wird tatsächlich der das Leben gewinnen, der wagt, es hinzugeben. Nichts, was Menschen um Jesu willen einsetzen, geht verloren. Sie erhalten es hundertfach zurück.  Und wenn es  doch zu schwer scheint, die Nachfolge Jesu zu wagen? Wenn mich diese Worte doch abschrecken und zögerlich machen? Mir scheint, dann tut es gut, auf den heiligen Ignatius zu schauen, der eine lange Zeit des Reifens, ja ein ganzes Leben  brauchte, bis er endlich  damit beginnen konnte, ein Jünger Christi zu sein.


24.05.2012
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