Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Verwirrung vorprogrammiert

Seit Ostern kann ein Paket Butter anstatt der bislang üblichen 250 Gramm auch nur 240 Gramm enthalten. Eine neue europäische Verpackungsverordnung hat die bisherigen Einheitsgrößen bei den meisten Lebensmittelprodukten abgeschafft.


Gerd Vieler (52) ist Chef vom Dienst des DOM

Schnell nach Feierabend mal eben in den Lebensmittelladen einkaufen gehen dürfte auf Dauer langwieriger werden. Was EU und Bundeswirtschaftsministerium als „Spielraum für Innovationen und Ideen“ begrüßen, könnte sich für den Verbraucher in verdeckten Preiserhöhungen und vermehrtem Aufwand beim Preisvergleich entpuppen.
Schon bei der Einführung des Euro hatten einige Lebensmittelproduzenten im Rahmen der damaligen Möglichkeiten die Konfektio­nierung geändert. Tendenz: Weil das Produkt nur noch die Hälfte Euro kostet, kann auch ruhig weniger drin sein.
Die neue Verschleierungsrunde mit Packungsgrößen soll stärker den individuellen Bedürfnissen der immer häufiger werdenden Single-Haushalte entgegenkommen. Sie möchten mit Rücksicht auf ihren Bedarf vielleicht anstelle von einem halben oder ganzen Liter Milch ein Drittel Liter kaufen oder anstatt der 100-Gramm-Tafel Schokolade nur 90 Gramm. So die Theorie.
In der Praxis aber wird das Einkaufen trotz des am Regal aufgedruckten Kilopreis-Vergleiches aufwendiger. Der Verbraucher wird sich daran gewöhnen müssen, diesen Kilopreis anstelle des Preises der zu kaufenden Ware zu vergleichen. Das fördert die Verwirrung. Und nicht nur Verbraucherschützer befürchten Mogelpackungen und versteckte Preiserhöhungen in den neuen Verpackungen.


24.05.2012
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