Delegation des Erzbistums nahm am Juliansfest in Le Mans teil
Versöhnung war Sache der Christen

- Festgottesdienst in der Kathedrale von Le Mans mit Erzbischof Becker und Bischof Le Saux.
Le Mans/Paderborn (pdp/nü). In Fortsetzung guter partnerschaftlicher Traditionen hat Erzbischof Hans-Josef Becker am Juliansfest, dem Bistumsfest der Diözese Le Mans, teilgenommen. Dabei konnte er in seinem Grußwort in der Kathedrale von Le Mans auf ein besonderes Jubiläum verweisen: Die Gründung der Libori-Bruderschaft vor 50 Jahren.
„Dankbar erinnern wir an den Neubeginn der freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Bistümern nach den Verwerfungen des Zweiten Weltkrieges“, so Erzbischof Becker. Die vielen privaten und kirchlichen Ini-tiativen, die seither entstanden seien, machten deutlich, dass das Projekt der Libori-Bruderschaft unter einem guten Stern gestanden habe. Der Erzbischof dankte allen, die sich in der Vergangenheit und Gegenwart mit Herzblut und Ausdauer um die Vertiefung der Freundschaft zwischen den beiden Diözesen bemühten. Die bald 1200-jährige Bistumspartnerschaft zwischen Le Mans und Paderborn könne als Symbol für den Aufbau und die Weiterentwicklung des vereinten Europas stehen.
Um den christlichen Beitrag zur Versöhnung und zur europäischen Einigung ging es bei einem „Runden Tisch“. Der Erzbischof von Clemont, Hippolyte Simon, betonte, dass die Versöhnung der Völker in Europa aus christlicher Sicht auch ein spirituelles Ereignis gewesen sei. Als Beispiel dafür, wie Christen das Heft in die Hand genommen haben, nannte er den Briefwechsel zwischen den deutschen und den polnischen Bischöfen. Die Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland habe sich auf gleicher Ebene bewegt. Christen hätten zur Versöhnung beigetragen und deshalb müssten Christen auch heute wieder auf Polen und den ganzen Balkan zugehen.
Erzbischof Becker betonte, die Diskussion habe gezeigt, dass die Vergangenheit, die Gegenwart und auch die Zukunft Europas nicht ohne den Erfahrungsschatz und das Wertesystem des christlichen Abendlandes gedacht, geschweige denn gelebt werden könne.
Der Bischof von Le Mans, Ives Le Saux, betonte in seiner Predigt am Juliansfest: „Nach Juliani Vorbild sind wir gefordert, uns als Missionare zu betrachten.“ Alle Getauften, die die Firmung bekommen haben, seien damit beauftragt, ihre Mitmenschen zu evangelisieren.
Eine große Delegation aus dem Erzbistum Paderborn begleitete Erzbischof Becker nach Le Mans, darunter Seminaristen des Priesterseminars sowie Vertreter der St.-Liborius-Fraternität unter Leitung von Pfarrer Reinhard Bürger.
Info
Die St.-Liborius-Priesterbruderschaft wurde 1960 gegründet. Einer der Mitbegründer, dessen jetzt in Le Mans besonders gedacht wurde, war Pfarrer i. R Heinrich Diebecker. Schon in Studienzeiten vor dem 2. Weltkrieg hatte Diebecker, der im vergangenen November im Alter von 95 Jahren verstarb, über Franz Stock Kontakte nach Frankreich geknüpft. Nach dem Krieg übernahm er die Seelsorge an deutschen Kriegsgefangenen im Gebiet des Bistums Le Mans. Diese Erfahrungen waren für ihn eine starke Motivation, sich in den Aufbaujahren der Bundesrepublik für eine Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland stark zu machen. So wurde er 1960 einer der Initiatoren und Mitbegünder der St.-Liborius-Priesterbruderschaft. Von 1970 bis 1980 war er auf deutscher Seite deren Präsident und bis zuletzt Ehrenmitglied des Vorstandes. In vielfältigen lebendigen Kontakten unter französischen und deutschen Seelsorgern, einzelnen Gruppen und Gemeinden lebt vieles weiter, was Heinrich Diebecker angestoßen hat. Die Bruderschaft hat heute auf deutscher Seite 200 Priester und 20 Laien als Mitglieder. In Frankreich gibt es 80 Mitglieder der Priesterbruderschaft. Präsident auf deutscher Seite ist Pfarrer Reinhard Bürger aus Dortmund. Der Priesteraustausch wird fortgeführt. Zurzeit ist ein Seminarist aus Le Mans in Arnsberg.



