Aktuelle Ausgabe
2012-20

Weihbischof König segnete die neue Kapelle in der JVA Attendorn

Verkündigung hinter Gittern

Weihbischof Matthias König, Pastor Lutz Greger und Diakon Werner Schrage bei der Segnung der Kapelle. Altar und Ambo wurden in der Schreinerei der JVA gefertigt. Foto: Nückel

Attendorn. Von solch einer Quote können Kirchengemeinden nur träumen: jeder zweite potenzielle Teilnehmer kam zum Gottesdienst in die neue Kapelle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Attendorn, als Weihbischof Matthias König vergangene Woche das kleine Gotteshaus segnete. 

von Matthias Nückel 

Von „zwei Welten“ sprach Weihbischof König, die an diesem Abend in der JVA Attendorn aufeinandertrafen: auf der einen Seite der Bischof mit Mitra, auf der anderen Seite die knapp 60 der insgesamt 100 Insassen – die einen in Anstaltskleidung, die Untersuchungshäftlinge in Straßenkleidung. Doch es führte sie der Glaube zusammen, dass Gott überall ist – eben auch in einem Gefängnis.

„Ich weiss, dass es schwer ist, im Knast zu singen“, hatte der katholische Gefängnisseelsorger Diakon Werner Schrage vor dem Gottesdienst gesagt, „aber wer singen möchte, sollte es tun.“ So konnte sich der Gesang, den ein Bläserquartett von Justizvollzugsbeamten begleitete, durchaus hören lassen. Es war – fast – eine „normale“ Messe: Die einen kannten alle die von der Gemeinde gesprochenen Texte, einige sprachen einen Teil der Worte mit und andere kannten keinen der Texte (mehr). Beim „Vaterunser“ dann beteten alle laut mit. Zuweilen erinnerten nur die Gitter vor den Fenstern, die Anstaltskleidung der Insassen und die Uniformen der am Gottesdienst teilnehmenden Beamten daran, dass dies keine Kirche wie jede andere ist.

In seiner Predigt lud Weihbischof König die Häftlinge ein, die Kapelle zu nutzen. Er berichtete von den „Fazendas der Hoffnung“, die zwei Priester aus dem Erzbistum Paderborn in Brasilien gegründet haben. Tief beeindruckt habe ihn bei einem Besuch eine junge Frau, die sich selbst als „Kampfmaschine“ bezeichnete, und erzählte, wie sie die Liebe Christi erfahren habe.

„Gott schenkt den Menschen manchmal etwas und verwandelt sie“, betonte der Weihbischof. Deshalb gebe es in einer Justizvollzugsanstalt auch eine Kapelle. „Gleich aus welchem Grund einer kommt: die Chance ist, dass Sie anders herauskommen, als Sie hineingegangen sind“, sprach König die Insassen direkt an. Und er gab ihnen ein Wort von Taizé-Gründer Frére Roger Schutz mit auf den Weg, der gesagt hatte: „Versuche, das aus dem Evangelium zu leben, was du verstanden hast“.

Beide Kirchen machten an diesem Abend durch starke Präsenz deutlich, dass ihre Sorge auch den Gescheiterten gilt. Nicht nur Weihbischof Matthias König und die Gefängnisseelsorger, der katholische Diakon Werner Schrage und der evangelische Pastor Lutz Greger, waren zur ökumenisch gestalteten Segnung der Kapelle gekommen, sondern auch der katholische Attendorner Pfarrer Andreas Neuser und der evangelische Pfarrer Dr. Christof Grote. Und der Weihbischof nahm sich nach dem Gottesdienst noch Zeit, mit JVA-Leiter Rainer Wisniewski einige Häftlinge in ihrer Zelle zu besuchen.

Dass auf der anderen Seite die gute Teilnahme der Insassen am Gottesdienst keine einmalige Sache war,  betonte Diakon Schrage. Er freue sich, dass sonntags immer viele der Einladung zum Gottesdienst folgen, berichtete Schrage und fügte hinzu: „Deshalb muss die Verkündigung des Wortes Gottes in der JVA zentrale Aufgabe der Kirchen bleiben.

 

 


24.05.2012
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