Weshalb Bildhauermeisterin Petra Rentrup aus St. Vit jetzt Hochkonjunktur hat
Verbindung von Handwerk und Ästhetik
Rheda-Wiedenbrück/St. Vit. In diesen Wochen einen Gesprächstermin mit Petra Rentrup zu bekommen, ist nicht ganz einfach. Wenn sie nicht in ihrem Atelier arbeitet, ist sie dabei, ihren Pkw zu beladen und Weihnachtsmarktstände zu bestücken. Petra Rentrup ist Bildhauermeisterin. Kurz vor Weihnachten stehen bei ihren Kunden besonders Krippenfiguren auf dem Wunschzettel.
von Hubertus Ebbesmeyer
„Eine Krippenszene muss für mich etwas ruhiges, friedvolles haben“, sagt Petra Rentrup. Sie zieht ihren weißen Zunftkittel über und widmet sich mit Hingabe, Ausdauer und Präzision den Gesichtszügen eines Engels. Die groberen Arbeitsschritte hat sie mit einem Schnitzeisen und mit einer Art Holzhammer, dem „Knüpfel“ erledigt. Für die Feinarbeit setzt die Bildhauermeisterin eher schmale Schnitzeisen ein.
Petra Rentrup ist über Umwege zur Holzbildhauerei gekommen. Nach dem Abitur wollte sie 1985 eine Ausbildung beginnen, fand aber auf Anhieb nichts. „Ins Büro wollte ich auf keinen Fall“, erinnert sich die 44-Jährige, die zunächst Praktika in einer Gärtnerei, in einer Tischlerei und in einem Café absolviert hat.
„Holz ist ein warmes Material, das man mit Werkzeugen formen und gestalten kann. Das hat mich fasziniert.“ Nach der Ausbildung in einer Tischlerei und beruflichen Stationen auch im Restaurierungswesen legte sie 1994 in Empfertshausen (Thüringen) die Meisterprüfung ab und bezog die Werkstatt auf dem elterlichen Bauernhof in St. Vit.
„Bei meinen Krippen stehen die Figuren im Vordergrund. Der Stall und alles andere müssen da zurücktreten“, hat Petra Rentrup klare Vorstellungen von einem Gesamtkunstwerk. Größe, Haltung und die Ruhe der Figuren müssen stimmig sein.
Bei der Gestaltung der Figuren hat Petra Rentrup ihren Weg gefunden. „Meine Handschrift ist das Einfache, Schlichte.“ Gesichter, Hände und Faltenwurf sollen einheitlich sein, denn die Holzbildhauerei, erfordert dass man sich in jede Figur hineindenkt. Das Weihnachtsgeschehen muss sich darin widerspiegeln und einen ruhigen, freundlichen Eindruck vermitteln. Die Kunsthandwerkerin, die Handwerk und Ästhetik in ihrem Tun vereint, arbeitet mit Linden- und mit Eichenholz. Mal naturbelassen, mal in dezenter Färbung lasiert. Unter den Aquarellfarben jedenfalls müsse immer noch die Textur, die Maserung, sichtbar bleiben.
Petra Rentrups Lieblingsfiguren sind Engel. „Vor allem musizierende Engel. Die strahlen eine besondere Ruhe aus.“
Holzbildhauerei ist echte Handarbeit, bei der das erste Stück freihand aus einem Holzklotz heraus geschlagen wird. Bis die gewünschte Figur von Hand fertig geschnitzt ist, vergeht Zeit.
Während dieser Zeit denkt Petra Rentrup bisweilen über neue Herausforderungen nach: „Gerne würde ich einmal einen kompletten Kreuzweg aus Holz schnitzen“. Dazu aber wird die Bildhauermeisterin frühestens dann kommen, wenn die adventlich-weihnachtliche „Hochzeit“ vorüber ist.







