Kommentar
Väter an ihren Grenzen
von Andreas Wiedenhaus
Immer mehr Männer möchten in der Familie Verantwortung übernehmen. Dieses Ergebnis erbrachte eine aktuelle Umfrage unter gut 1000 Vätern in Deutschland. Viele würden beruflich gern ein wenig kürzer treten, um dafür mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Die Bereitschaft zum Engagement ist also da. Dem Wunsch werden von der Wirklichkeit jedoch deutliche Grenzen aufgezeigt: Denn nur ein kleiner Teil der Väter – gerade mal fünf Prozent – arbeitet wirklich in Teilzeit.
Auch die Chance auf Elternzeit wird von den realen Verhältnissen in der Wirtschaft stark beschnitten: Knapp ein Fünftel der befragten Väter zwischen 20 und 35 Jahren gab an, zwei Monate Elternzeit genommen zu haben. Keine allzu lange Phase.
Richtig bitter wird es aber erst, wenn man erfährt, dass vier von fünf Vätern davor zurückgeschreckt sind, in ihrer Firma überhaupt Elternzeit einzureichen. Knapp die Hälfte aller Befragten schätzten die Konsequenzen für die Karriere nämlich daraus negativ ein. Solche subjektiven Einschätzungen müssen nicht immer begründet sein, aber wer will es einem Vater verdenken, dass er lieber auf die Elternzeit verzichtet, statt ein Risiko einzugehen.
Zumal, wenn man bedenkt, dass die Erwartungen vieler Unternehmen an ihre Angestellten wachsen. Erreichbarkeit im Urlaub, das Überprüfen der E-Mails am Wochenende – das ist für viele Mitarbeiter heute selbstverständliche Realität. Wer als Beschäftigter in einer solchen Firma zu der Überzeugung kommt, dass er mit Elternzeit nicht unbedingt die eigene Position stärkt, dürfte in den meisten Fällen nicht allzu falsch liegen.






