Die Küsterin der Heilige Familie in Kamen verziert Kerzenrohlinge
Unikate aus buntem Wachs
Kamen. Marianne Lüken ist nicht nur Küsterin in der Kirchengemeinde Heilige Familie in Kamen, sondern unterstützt mit ihrem Hobby auch kirchliche, soziale und karitative Einrichtungen und Aktionen in der Gemeinde.
von Elisabeth Plamper
Auf dem Tisch vor ihr steht eine schlichte cremefarbige Wachskerze. „Das ist für mich ein Kerzenrohling“, erklärt sie. Daneben liegen verschiedenfarbige Wachsplatten. Vorsichtig nimmt die Küsterin eine goldfarbene zur Hand und schneidet mit einem scharfen Messer einen schmalen Streifen zurecht, nimmt die Kerze zur Hand und fixiert den Streifen auf dem roten Wachsoval, das sie schon zuvor auf der Kerze ausgerichtet hat. Das Licht der Tischlampe spiegelt sich in dem schmalen Stück Wachs und bekommt einen ganz eigenen Glanz. „Es wird nichts geklebt“, sagt sie. „Das Wachs verbindet sich nur durch die Handwärme.“
Über 100 Kerzen muss sie bis Palmsonntag verziert haben. Denn dann werden diese vor und nach dem Gottesdienst in der Gemeinde verkauft. „Der Erlös ist für einen guten Zweck.“ So kommt das Geld unter anderem Projekten in der Patengemeinde Sibolga/Indonesien zugute. Ein Teil des Geldes wurde in der Vergangenheit zudem für die Restaurierung der Weihnachtskrippe in der Gemeinde aufgewendet.
Auf einem Sideboard links von ihr an der Wand stehen die bereits fertigen Kerzen. Die dekorativen Motive sind vielfältig: Vom schlichten goldenen Kreuz mit und ohne Blüten- oder Blätterranken über Kelche vor unterschiedlichen Hintergründen und Rosen bis hin zu filigranen Marienbildnissen mit und ohne dem Jesuskind auf dem Arm. Aber auch kreative Fantasiemuster zieren die circa 20 Zentimeter hohen Kerzen. Ob zur Kommunion, zur Marienverehrung, Geburtstag oder Jubiläum: Für jeden Anlass ist eine Kerze dabei. Und keine gleicht der anderen. Jede Kerze ist ein Unikat.
„Dieses Jahr habe ich das erste Mal auch Kerzen mit fertigen Bilder für polnische Gläubigen gemacht.“ Marianne Lüken nimmt eine Kerze von der Vitrine. Das Marienbild darauf ähnelt einer kleinen Ikone. Auch die Osterkerze für die Kirche der Gemeinde wird von ihr schon seit Jahren verziert. „Das mache ich aber erst in der Karwoche.“ Die Vorlage hat sie vorbereitet. Flammen werden das Motiv bestimmen. Mehr mag sie noch nicht verraten.
Was zunächst nach dem Tod ihres Mannes vor rund sechzehn Jahren ein Teil ihrer ganz persönlichen Trauerbewältigung gewesen war, wurde zu einem aus ihren Leben nicht mehr wegzudenkenden Hobby, und inzwischen sind ihre Kerzen ein begehrtes Geschenk zu den unterschiedlichsten Anlässen. „Ich bin das ganze Jahr beschäftigt“, sagt sie und nimmt wieder eine Wachsplatte zur Hand, um das nächste Motiv auszuschneiden. Denn der Palmsonntag naht.







