Die Gemeinschaft der Seligpreisungen verlässt Warstein
Umzug als Chance
Warstein-Sichtigvor. Umzugskartons sind es zwar noch nicht. Dennoch hat der Stapel Papp-Kartons in Pater Johannes Marias Büro Symbolcharakter. „Im Herbst werden wir Warstein verlassen“, bestätigt der Leiter der „Gemeinschaft der Seligpreisungen“. Ein notwendiger Schritt, der dennoch schmerzhaft ist.
Personelle und finanzielle Gründe hätten der Gemeinschaft nach zwölf Jahren keine andere Wahl mehr gelassen als zu gehen, erklärt Pater Johannes Maria. 1996 waren rund 50 Männer und Frauen aus Münster nach Warstein gekommen, wo sie das Ordensritterschloss der Warsteiner Franziskaner in Sichtigvor bezogen. Heute sind es nur noch 20. Zu wenig, um die Lasten des damals notwendigen, heute zu großen Gebäudes zu tragen.
„Bei uns leben Männer und Frauen, Laien und Geweihte in Hausgemeinschaft“, gibt Pater Johannes Maria einen Einblick in die 1973 in Frankreich gegründete Gemeinschaft. Sogar eine sechsköpfige Familie lebe mit im Schloss. Als Hauptaufgabe bezeichnen die „Geschwister“ Liturgie und Anbetung. Den ganzen Tag über sei daher das Allerheiligste in der Hauskapelle ausgesetzt. Überhaupt sei die Gemeinschaft sehr klösterlich geprägt, wie Pater Johannes Maria betont: Laudes, Vesper und Complet gehörten zum festen Tagesablauf im „Maria Freude aller Freuden“ getauften Schloss.
Finanzieren tue sich die Warsteiner Gemeinschaft ausschließlich durch Spenden und die eigene Arbeit, versichert der Leiter. „Die Spenden kommen von einem uns nahe stehenden Freundeskreis“, sagt der 37-Jährige. Zudem böten sie Exerzitien und Seminare an, für die auf freiwilliger Basis gezahlt werden könne. Um den Auftrag der Mission zu erfüllen, bringe die Gemeinschaft außerdem die Zeitschrift „Feuer und Licht“ heraus.
Doch besonders in den vergangenen vier Jahren seien die Einnahmen immer mehr gesunken. Nur mit Mühe und Not könnten noch schwarze Zahlen geschrieben werden. Denn die Unterhaltungskosten für das Schloss mit einer Deckenhöhe von 5,20 Meter seien hoch. „Dazu kommt, dass wir nur noch zwanzig Personen sind“, bedauert Pater Johannes Maria. Mit so wenig Menschen ein so großes Gebäude in Schuss zu halten, sei äußerst zeit- und kräfteraubend. „Das blockiert uns darin, Früchte für die Kirche zu tragen“, sagt der Ordenspriester.
Er wurde im vergangenen September vom Provinizial nach Warstein beordert, um die Informationen für eine Entscheidung zu erarbeiten. „Nach Sichtung aller Dokumente und Zahlen habe ich dann empfohlen, das Haus zu schließen“, erklärt Pater Johannes Maria. Nachdem dies von der Generalleitung abgenickt worden sei, habe es im Januar auch ein Gespräch mit Erzbischof Becker gegeben. Dieser habe die Entscheidung angenommen, aber schon gewünscht, dass die Gemeinschaft im Bistum bleibe. Das Generalvikariat bemüht sich derzeit, der Gemeinschaft bei einer neuen Bleibe zu helfen.
Den Umzug sieht der Priester als Chance. Denn die vergangene Zeit sei schon recht schwierig gewesen. „Doch die Zukunft kann nur besser sein“, hofft Pater Johannes Maria. Ein Makler bietet das Schloss derzeit übrigens bundesweit zum Verkauf an.
Birger Berbüsse
Info
Die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ wurde 1973 in Frankreich gegründet, um nach dem Leitbild der Urgemeinde zu leben. Sie untersteht dem Päpstlichen Rat für die Laien. Weltweit gibt es etwa 1500 Mitglieder in 80 Niederlassungen, davon drei in Deutschland.







