KAB der Gemeinde St. Kilian in Iserlohn-Letmathe feierte ihr 100-jähriges Bestehen
Überzeugend nach außen wirken
Iserlohn-Letmathe. „100 Jahre – 100 Mitglieder“, diese Bilanz hätte beinahe der Vorstand der KAB St. Kilian in Letmathe zum Stichtag der Gründung (20. Februar 1910) ziehen können. Doch ein Jahr vor dem großen Jubiläum sah der befreundete Nachbarverein in Oestrich keine Überlebenschance und löste sich auf. Zwanzig seiner Mitglieder schlossen sich der Letmather Gruppierung an – und erhöhten damit den Mitgliederbestand auf rund 120. Eine mögliche Erklärung fand der Präses, Diakon Michael Sedelies in seinem Grußwort: „In diesem Verein gibt es nette Leute.“
von Meinolf Steinhofer
„Das 100-jährige Bestehen fällt in eine Zeit gesellschaftlicher und kirchlicher Umbrüche. Auch unsere Verbände sind von dieser Entwicklung betroffen“, betonte Weihbischof Hubert Berenbrinker in seiner Predigt. Die Ursprünge der Arbeiterbewegung waren eine Reaktion auf die bittere Armut der Arbeiter gewesen. Die KAB sei eine Selbsthilfegruppe, habe immer politische Interessen vertreten und sei eine Stärkung in den Kirchengemeinden.
Vor Ort in Letmathe war ein Jahr nach der Gründung eine „Einkaufskasse“ zum Kauf von Einkellerungskartoffeln entstanden und die Mitglieder stifteten für den „Letmather Dom“ nicht nur eine Marmorsäule, sondern beteiligten sich aktiv von 1911 bis 1917 auch an dem Bau dieses Kirchenhauses. „Die KAB war getragen von Glaubenskraft und Opferbereitschaft“, charakterisierte der Geistliche die bundesweite Bewegung.
Werner Pöppinghege, ehemaliger KAB-Sekretär für die Region, erklärte in seiner anschließenden Festrede, dass das Ziel der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung „ein gutes Leben für alle“ sei. Der örtliche Verein könne dabei ein „Schaufenster“ sein. Einladend eben: „Das muss in diesem Ortsverein wohl der Fall sein“, staunte der ehemalige Hauptamtliche. „Das gibt es selten.“
Den Zusammenhalt der Letmather Gruppierung fördert ein Gartenfest am Pfarrhaus, das Ende der 60er-Jahre entwickelt wurde und bis heute ein Höhepunkt im Vereinsleben bildet. Die „Interessengemeinschaft für kleine Leute“ denkt aber nicht nur an ihre eigenen Mitglieder, sondern unterstützt durch eine jährliche Informations-, Verkaufs- und Sammelaktion das Weltnotwerkes der KAB.
1981 kam eine Altpapiersammlung hinzu, die inzwischen unter dem Motto „Fairwertung“ zweimal im Jahr durchgeführt wird. Seit 1999 begleitet die Gruppe den Schüler „Liborius“ aus Namibia. Er und seine sieben Geschwister hatten vor Jahren ihren Vater verloren. Briefkontakte und kleinere Geldspenden – etwa ein Fahrrad für den 10 km langen Schulweg – erleichtern ihm etwas das Leben.
Diese Aktivitäten zeigen etwas von der inneren Haltung der KAB in Letmathe. Hatte Weihbischof Hubert Berenbrinker solche Beispiele gemeint, als er in seiner Predigt den Gläubigen zurief: „Wir Christen müssen wieder nach Außen zeigen, woran wir im Innersten überzeugt sind!“



