Aktuelle Ausgabe
2012-20

Andacht für die Opfer des Unfalls beim Festumzug der Schützen in Menden

Trauer, Hilflosigkeit und Hoffnung

Einige Markierungen auf dem Asphalt, Kerzen und Blumen auf dem Bürgersteig: Die Stelle, an der beim Schützenumzug in Menden das Unglück geschah. Foto Plamper

Menden. Es ist gerade einige Tage her, dass der schwere Verkehrsunfall beim Festumzug der Schützenbruderschaft St. Hubertus Menden-Nord 1949 drei Menschenleben forderte. Weitere Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Trauer, Hilflosigkeit, Verzweiflung – aber auch Hoffnung. Gefühle, die so manchem in der sauerländischen Stadt wohl noch länger in Zusammenhang mit dem Geschehenen begleiten werden.

von Elisabeth Plamper

„Wir sind erschüttert und tief betroffen“, fasste es Pfarrer Wilfried Dönneweg zu Beginn der Trauerandacht für die Opfer des Unfall zusammen. „Viele von uns sind stumm und sprachlos, andere möchten ihren Schmerz laut herausschreien“ und drückte so das in Worten aus, was viele in dem Augenblick empfunden haben mögen.
Rund eine halbe Stunde vor Beginn der eigentlichen Trauerandacht hatten sich bereits die Teilnehmer in der St.-Walburgis-Kirche eingefunden, unter ihnen Angehörige, Verwandte und Freunde der Opfer, Mitglieder der Schützenbruderschaft St. Hubertus Menden-Nord 1949, Vertreter anderer Vereine und Institutionen, Menschen, die Trost suchten und die ihre stille Anteilnahme durch ihre Anwesenheit bekunden wollten.
Die Frage nach dem „Warum“ könne auch er nicht beantworten, betonte Pfarrer Wilfried Dönneweg in seiner Ansprache, aber dass es auch ein Leben nach dem Tode gebe, daran glaube er fest. „Es gibt zwar keinen Beweis dafür“, so der Seelsorger, „aber auch keinen, der das Gegenteil beweist.“ Von draußen fielen einzelne Sonnenstrahlen durch die Kirchenfenster auf die mit Trauerflor versehene Vereinsfahne der Schützenbruderschaft.
In einem geistlichen Impuls erinnerte der Seelsorger an das Buch Ijob im Alten Testament, aus dem auch ein Auszug des 19. Kapitels vorgetragen wurde. In einem Gebet und in den Fürbitten schloss er alle Beteiligten des Unglücks mit ein, bat um Stärke für die Hinterbliebenen und den Unglücksfahrer. Kraft, das Geschehene zu verkraften und vergeben zu können, bat um Hilfe für die Verletzten in den Krankenhäusern, dankte allen Helfern und gab anschließend den Menschen Zeit, für ein ganz persönliches Gebet in aller Stille. Und spätestens bei dem Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen ...“, ließ sich erahnen, wie wichtig diese Trauerandacht in der Gemeinschaft für alle war, das Erlebte zu verarbeiten, auch wenn die tröstenden Worte, Lieder und Gebete bei dem einen oder anderen vielleicht erst noch „ankommen“ müssen.
Nach dem Segen und dem Orgelspiel zum Abschluss der rund halbstündigen Andacht verharrten die Teilnehmer noch einige Momente fast regungslos in den Bänken, bevor sie langsam die Kirche verließen, draußen zu zweit oder in kleinen Gruppen schweigend stehen blieben und Gesten der Teilnahme austauschten. Da eine Umarmung, dort ein fester Händedruck. Eine Mutter strich ihrem Kind, das mit dem Finger in die Menge zeigte, zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, beugte sich herunter und sprach mit ihm, ein Mann wischte sich verstohlen eine Träne aus seinen Augenwinkeln, während ihm ein zweiter tröstend die Hand auf die Schulter legte. Erst später entwickelten sich leise Gespräche.
„Gemeinsam sind wir stark“, unter dieses Leitwort hatte die Schützenbruderschaft ihr Fest zum 60-jährigen Bestehen gestellt. Ein Leitwort, das nun seine Tragkraft unter Beweis stellen muss. Und die zum Teil ganz persönlichen Eintragungen der Teilnehmer an der Trauerandacht in den Kondolenzbüchern, die im Eingangsbereiche der Kirche auslagen, werden vielleicht in Zukunft nicht nur an diesen Tag erinnern, sondern auch Trost spenden.
In einem Brief hatte auch Erzbischof Hans-Josef Becker den Angehörigen der Opfer, den Mitgliedern der Schützenbruderschaft und den Menschen der Pfarrgemeinde St. Walburgis seine Anteilnahme und Verbundenheit ausgedrückt. Zwar könne der Mensch auch als Christ den Sinn eines solchen Sterbens nicht begreifen, der Christ könne aber umso mehr versuchen, im Glauben tiefer zu sehen, schrieb der Erzbischof in seinem Brief.


24.05.2012
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