Aktuelle Ausgabe
2012-20

Papst und Patriarch eröffnen 2000-Jahrfeiern in Rom

Paulus gibt Impulse

Ökumenisch ging es bei der Eröffnung des Paulusjahres in Rom zu. Papst Benedikt XVI. (l.) und der ökumenische Patriarch Bartholomäus I. proklamierten gemeinsam das internationale Paulusjahr im Gedenken an die Geburt des Völkerapostels vor 2000 Jahren.Foto: KNA

Rom. Gemeinsam entzündeten der römische Papst und der orthodoxe Patriarch die Paulus-Flamme, gemeinsam schritten sie durch die Paulinische Pforte, und zusammen proklamierten sie das internationale Paulusjahr. Die Eröffnungsveranstaltung zum 2000. Geburtstag des Völkerapostel Paulus in Rom war von zahlreichen ökumenischen Gesten geprägt. Vom theologischen und geistigen Erbe des Apostels erwarten sich Benedikt XVI. und Bartholomaios I. neuen Schwung für die Ökumene.

Mit einem feierlichen Vespergottesdienst – und einer perfekten Choreografie – hat am Samstagabend in Rom das Paulusjahr begonnen. In langer Prozession zogen die Delegationen der christlichen Kirchen durch das Atrium der Basilika Sankt Paul vor den Mauern, der Grabeskirche des Völkerapostels. Eingeladen waren vor allem die Kirchen, in deren Bereich Paulus lebte und wirkte: Jerusalem, Antiochien, Konstantinopel, Zypern und Griechenland. Aber auch das Moskauer Patriarchat schickte eine Abordnung sowie die Anglikanische Gemeinschaft. Ehrengast und Mit-Akteur der Eröffnung war Bartholomaios, als Patriarch von Konstantinopel zugleich Ehrenprimas der orthodoxen Gemeinschaft. Neben der Kolossalstatue des Paulus im palmenbestandenen Atrium entzündeten Papst und Patriarch ein Kohlebecken, das das ganze Jahr über brennen soll.
Das vom Papst ausgerufene Paulusjahr soll die Bedeutung des Völkerapostels deutlicher hervorheben. Nicht nur in Rom steht Paulus, der als Jude in Tarsus in der heutigen Südtürkei geboren wurde und um das Jahr 65 in Rom den Märtyrertod fand, meist im Schatten des anderen Apostelfürsten Petrus. Aber durch seine Predigten, seine Missionsreisen und seine Briefe hat Paulus maßgeblich zur Ausbreitung des Christentums und zum Aufbau der Kirche beigetragen.
Seine Botschaft soll eine Richtschnur für die Einheit der Christen sein, forderte der Papst in seiner Eröffnungspredigt. Für Paulus sei der Glaube nicht nur eine bloße Theorie, sondern ein persönliches „Getroffensein von der Liebe Christi“. Dies habe den einstigen Christenverfolger bis ins Innerste erschüttert und umgewandelt. Paulus sei ein streitbarer Mann gewesen, der „das Schwert des Wortes“ zu führen verstand und Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg ging, rief Benedikt XVI. in Erinnerung. Er habe nicht nach oberflächlicher Harmonie gesucht, sondern nach der Wahrheit. Für diese sei Paulus bereit gewesen, äußeren Erfolg zu opfern und Streit, Verfolgung und Leiden auf sich zu nehmen.
Die Eröffnungsfeier des Paulusjahres fügte sich in die Feiern zum römischen Patronatsfest Peter und Paul ein. Seit dem Konzil und seiner ökumenischen Öffnung reist zu diesem Termin regelmäßig eine Kirchendelegation aus Konstantinopel an. Diesmal führte Patriarch Bartholomaios selbst diese Delegation. Es war zugleich ein Gegenbesuch für den Papstbesuch Ende 2006 zum orthodoxen Andreas-Fest in Istanbul. Damals war die Teilnahme an den Feierlichkeiten im Phanar, dem Amtssitz des Patriarchen, Höhepunkt der Türkeireise.
Jetzt saß Bartholomaios neben dem Papst im Petersdom unter dem Bernini-Baldachin. Beide beschworen die christliche Einheit. Der Theologen-Dialog der beiden Kirchen verlaufe positiv, sagte der Patriarch. „Wir hoffen inständig und beten, dass bestehende Schwierigkeiten überwunden werden und dass wir möglichst schnell das erwünschte Endziel erreichen.“
Gemeinsam beteten Papst und Patriarch das Glaubensbekenntnis – auf Griechisch, wobei die sonore Stimme das Patriarchen immer etwas hinter der des römischen Pontifex zu hören war. Gemeinsam wechselten sie den Friedensgruß, nacheinander spendeten sie den Messbesuchern den Segen. Zur Eucharistiefeier aber verließ der orthodoxe Würdenträger dann den Altarbereich. Die seit 1054 getrennten Christen haben das Ziel einer Eucharis­tiegemeinschaft noch nicht erreicht. Aber sie erhoffen sich Impulse durch das Paulusjahr– im gemeinsamen Blick auf den Völkerapostel.
Johannes Schidelko (KNA)


24.05.2012
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