Aktuelle Ausgabe
2012-20

Neues Buch über die Entwicklung der St.-Patrokli-Kirche und ihre Kunstschätze wurde jetzt vorgestellt

Streifzug durch die „Dom“-Geschichte

Stellten das Buch vor (v. l.): Herausgeber Hans J. Sperling, Verlagsrepräsentant Rainer Boos, Autorin Dr. Annette Werntze, Fotograf Andreas Lechtape, Autor Dr. Peter Ruhnau, Autor Dr. Ulf-Dietrich Korn, Autor Dr. Ulrich Löer und Propst Josef Heers. Foto: Müller

Soest. Die Stadtsilhuette von Soest ist geprägt von ihren vielen Kirchtürmen, in deren Mitte sich majestätisch der gewaltige Turm von St. Patrokli erhebt. Obwohl die Kirche kein Bischofssitz ist, kennen sie die Soester nur als „Patrokli-Dom“. Für Rainer Boos vom Regensburger Kunstverlag Schnell + Steiner besteht kein Zweifel: „St. Patrokli zählt zu den bedeutendsten Kirchen Deutschlands.“ 

von Kay Müller 

Grund genug für den Verlag, ein aufwendiges Buchprojekt zur Geschichte und Austattung der Kirche zu realisieren: Das jetzt vorgelegte Buch „Soest St. Patrokli – Geschichte und Kunst“ bietet auf über 150 großformatigen Seiten einen fundierten Streifzug durch die wechselhafte Geschichte der Kirche im Herzen der Soester Altstadt und erläutert die bedeutende und hochwertige künstlerische Ausstattung des Kirchbaus.

Zwei Faktoren seien für die Veröffentlichung entscheidend gewesen, sagte Herausgeber und Mitinitiator Hans J. Sperling bei der Buchpräsentation. Zum einen sei das „Vorgänger-Buch“ von Eberhard Linnhoff aus dem Jahr 1984 inzwischen knapp geworden, zum anderen sei es nötig gewesen, die Ausführungen über die Kirche an neue Erkenntnisse anzupassen.

Dafür konnte die Propstei-Gemeinde St. Patrokli einen kompetenten Autorenkreis gewinnen. Eingeleitet wird das Buch mit einem Beitrag des Heimatforschers Dr. Ulrich Löer, der über „Das Kollegiatstift St. Patrokli zu Soest“ schreibt. Ihm sei es vor allem darum gegangen, den Lesern „deutlich zu machen, was ein Kollegiatstift ist, nämlich kein Kloster, sondern eine Klerikergemeinschaft, die hier im zehnten Jahrhundert angesiedelt worden ist“. Ihr verdankt St. Patrokli die klosterähnlichen Nebenbauten (Kreuzgang, Kapitelsaal, Rempter), die den besonderen Charakter des Sakralbaus ausmachen.

Für den Abschnitt über die Baugeschichte und Ausstattung der Kirche konnte mit Dr. Peter Ruhnau ebenfalls ein ausgewiesener Fachmann gewonnen werden: Ruhnau war früher Diözesan-Baumeister des Erzbistums Paderborn und ist insofern schon von Berufs wegen gut mit der Soester Kirche vertraut.

Ein großer Teil des Buches ist den Glasmalereien in St. Patrokli gewidmet. Während Dr. Ulf-Dietrich Korn, ehemaliger Hauptkonservator des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege, über die alten Kirchenfenster schreibt, widmete sich Dr. Annette Werntze der modernen Neuverglasung, die aufgrund der Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges angebracht werden musste. Dieses Kapitel dürfte für kunsthistorische Laien besonders von Interesse sein, erschließen sich doch die modern und zum Teil abstrakt gehaltenen Glasmalereien der Künstler Hans Kaiser, Wilhelm Buschulte und Hubert Spierling dem ungeübten Beobachter nicht gerade auf Anhieb. Interessant ist auch ein kurzer Exkurs über die starke Kritik, die Hans Kaisers „Schöpfungsfenster“ in der südlichen Turmhalle (1962) seinerzeit hervorrief: Nur der Fürsprache des damaligen Propstes Johannes Claes sei es zu verdanken gewesen, so die Autorin, „dass das Fenster nicht wieder ausgebaut und als reines Kunstwerk ins Museum verschafft wurde“. Ein Beispiel, das zeigt, wie die Annäherung des Sakralen an den jeweiligen künstlerischen Zeitgeist zu allen Zeiten Kontroversen geschürt hat.

Auch das Dommuseum und seine Schätze werden im Buch vorgestellt. Vor allem aber geht Ulf-Dietrich Korn dabei auf einen Kunstschatz ein, der als Objekt gar nicht mehr verfügbar ist: Der Schrein des heiligen Patroklus ging beim Brand eines Flakbunkers in Berlin kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verloren. Er gilt bis heute als Hauptwerk westfälischer Goldschmiedekunst und wird für die in Münster geplante LWL-Ausstellung „Goldene“ Pracht derzeit im Maßstab 1:1 nachgebaut.

Illustriert wird das neue Patrokli-Buch durch zahlreiche Fotos des Fotografen Andreas Lechtape. Dass der aufwendig gestaltete Band zum vergleichsweise günstigen Preis von 25,95 Euro angeboten werden kann, ist wohl dem Engagement mehrerer Sponsoren zu verdanken, die die Veröffentlichung großzügig unterstützt haben, aber ungenannt bleiben möchten.

Info

Das Buch „Soest St. Patrokli“ ist im Regensburger Verlag Schnell + Steiner erschienen und kostet 25,95 Euro. Die ISBN-Nummer lautet: 978-3-7954-2557-9. 

 

 


24.05.2012
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