Aktuelle Ausgabe
2008_46

St.-Bernhard-Gemeinde in Welver schafft ein Kuriosum ab

Seltsam und einmalig

„Wo gibt’s denn so was?“ Pfarrer Eberhard Klein-Doppelfeld zeigt die jüngere Priestergruft auf dem Friedhof in Welver, die bald eingeebnet wird.Foto: Berbüsse

Welver. Seltsam und einmalig findet er es: „Ich hab das noch nirgendwo sonst gesehen“, sagt Pfarrer Eberhard Klein-Doppelfeld. Gemeint ist das „Kuriosum“, das sich auf dem Friedhof seiner St.-Bernhard-Gemeinde in Welver befindet. Denn dort gibt es gleich zwei Priestergrüfte. Doch mit der Einmaligkeit ist bald Schluss.

Bis zum Herbst soll die jüngere Grabstätte, die am Ende des Friedhofs am Waldrand liegt, komplett eingeebnet werden. Die ältere dagegen, ganz in der Nähe der Bernhard-Kirche, soll nach Willen von Pfarrer Eberhard Klein-Doppelfeld neu gestaltet und verschönert werden. „Zwei Priestergrüfte, wo gibt’s denn so was?“ zeigt er sich sichtlich unzufrieden mit dem  derzeitigen Zustand auf seinem Friedhof.
Der Grund, aus dem es überhaupt dazu gekommen ist, liege bei seinem Vorvorgänger Pfarrer Hermann Hülsey, berichtet der 69-jährige Seelsorger. Dieser habe in den 50er-Jahren die Friedhofsfläche verdoppelt und bis an die Waldgrenze ausgeweitet. „In seinem Testament hat er dann verfügt, dass er dort begraben werden wollte“, weiß Klein-Doppelfeld. Der damalige Kirchenvorstand sei Hülseys Wunsch nach dessen Tod 1962 gefolgt. Und habe dort zudem noch einen Altar und ein zweites Friedhofskreuz aufgestellt. „Dort liegt er nun seit über 40 Jahren ganz alleine“, erzählt Klein-Doppelfeld kopfschüttelnd. Schade findet er das. Denn auch der Altar werde nie genutzt, und die Pflege mache Probleme und sei recht aufwändig.
Deshalb habe der Kirchenvorstand im vergangenen Jahr einstimmig beschlossen: „Die Grabstätte muss weg.“ Schließlich sei eine Priestergruft auch das Aushängeschild der Gemeinde, findet der engagierte Priester. Deshalb wolle er seinen Friedhof aufgeräumt wissen. Damit verbunden ist auch ein ganz persönliches Anliegen. Denn Eberhard Klein-Doppelfeld wird im nächsten Jahr in den Ruhestand gehen. „Da will ich doch alles ordentlich hinterlassen“, so der Pfarrer, der seit fast dreißig Jahren in Welver lebt. Damals habe er gleich zu seinem Dienstantritt die alte Priestergruft, in der fünf Geistliche liegen, renoviert. Nun, wo sein Dienst zu Ende gehe, also noch einmal die Gruft: „Ich hab damit angefangen und ich höre auch damit auf“, fasst Klein-Doppelfeld lachend zusammen.
Vorgenommen haben er und der Kirchenvorstand sich jedenfalls einiges. Die jüngere Priestergrabstätte werde eingeebnet, Pfarrer Hülsey soll in die ältere Gruft umgebettet werden. Und auch dort wird sich nach den Vorstellungen des Pfarrers einiges tun. Der Schotter, der die ganze Fläche bedeckt, soll gegen Blumen ausgetauscht werden. Außerdem werde ein neues Kreuz errichtet, nachdem das alte vor etlichen Jahren von einem Sturm zerstört worden war. Ein irisches Steinkreuz schwebe ihm vor, erzählt der Bauherr in leidenschaftlichem Ton. Das müsse er aber noch genauer mit dem Steinmetz besprechen. Der soll auch neue Gedenktafeln für seine verstorbenen Vorgänger liefern. Ganz besonders freut sich Klein-Doppelfeld auch auf die Pieta, die er direkt unter die Linde auf der Grabstätte stellen möchte. „Die stand früher in der Kirche und kehrt nun wieder in ihre Nähe zurück“, freut er sich. Eine Pieta auf einer Priestergruft, das werde auch wieder etwas ganz Besonderes sein.
Auf bis zu 20000 Euro schätzt der Pfarrer die Kosten für die umfangreichen Arbeiten, die auch noch die Begradigung des Hauptweges und eine Drainage einschließen. Bis allerspätestens Allerheiligen soll der Friedhof in Welver dann in neuem Glanz erstrahlen. Ganz ohne „Kuriosum“.
Birger Berbüsse


21.11.2008
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