Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Schwierige Brüder

von Matthias Nückel 

Die traditionalistische Piusbruderschaft hat in den USA erneut unerlaubte Priesterweihen vorgenommen. Auch in Deutschland soll es wieder Weihen geben.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller spricht in diesem Zusammenhang zu Recht von einer „Provokation“. Die Piusbruderschaft unterlässt offenbar nichts, um selbst den Papst persönlich zu brüskieren. Es sind und bleiben schwierige Brüder innerhalb der großen Familie der katholischen Kirche.

Papst Benedikt XVI. war der Piusbruderschaft Anfang vergangenen Jahres sehr weit entgegengekommen. Er hatte die Exkommunikation von vier Bischöfen der Vereinigung aufgehoben, um einen Dialog mit der ultrakonservativen Organisation aufzunehmen. Seitdem fanden mehrere Gesprächsrunden im Vatikan über Lehrfragen statt.

Die Piusbruderschaft ihrerseits scheint nicht an einem echten Dialog interessiert zu sein. Sie nutzt jede Gelegenheit zur Provokation. Letztlich will sie der Mehrheit in der katholischen Kirche und auch dem Papst ihre Meinung aufzwingen. Papst Benedikt hat den Piusbrüdern die Hand gereicht, weil ihm an der Einheit der Kirche gelegen ist. Die entgegengestreckte Hand wird nun immer wieder ausgeschlagen. Der Papst hat viel Geduld mit den Abtrünnigen gezeigt und wegen der Aufhebung der Exkommunikation heftige Kritik in Kauf genommen. Das Ziel der Einheit war ihm all dies offenbar wert.

Wenn allerdings die Piusbruderschaft sich nicht bewegt und ihrerseits Entgegenkommen zeigt, dann wird die Geduld des Papstes ein Ende haben. Er wird nicht jede Provokation hinnehmen können.

 


24.05.2012
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