Vier Jungen arbeiteten als Köhler und spendeten den Erlös
„Schwarzarbeit“ für Bethlehem
Netphen-Walpersdorf. In den Ferien nicht nur schlafen und abhängen, sondern auch etwas Sinnvolles tun: Das beschlossen die vier jungen Walpersdorfer Karsten Schmidt (15), Dennis Neuser (15), Daniel Hertwig (16) und Fabian Kölsch (16). Für eine Woche zogen sie in den Wald, um die anstrengende Arbeit eines Köhlers kennenzulernen. Das Ergebnis ihrer Arbeit, die Holzkohle, spendeten sie an Pater Hartwig, der in einem Kinderkrankenhaus in Bethlehem arbeitet.
Die jungen Siegerländer lebten und arbeiteten in dieser Woche in einem Seitental der Sieg. Die Arbeit der „schwarzen Männer”, wie die Köhler vor 150 Jahren genannt wurden, ist heute noch genauso mühsam und schmutzig wie früher. Das mussten die Jungen bald feststellen. Die Arbeit des Köhlers erklärte ihnen Reinhold Wagener, ein Köhler aus Walpersdorf. Das Köhlerhandwerk hatte er von klein auf gelernt: Sein Vater, war der letzt hauptberufliche Köhler in Walpersdorf. Heute praktiziert Reinhold Wagener das Handwerk noch im Nebenerwerb.
Für die Meiler, die er im Wald aufbaute, hatten sich die vier Jungen Karsten, Dennis, Daniel und Fabian schon immer interessiert. Oft hatten sie schon mit angepackt, wenn Hilfe nötig war. Doch nun konnten sie zum ersten Mal selbst einen Meiler unter Anleitung aufbauen. Und das bedeutete anstrengende, schweißtreibende Arbeit.
Um ein Uhr und um vier Uhr war es Zeit für den Kontrollgang. Nachdem das Holz im Anzündeschacht entzündet war, hieß es Tag und Nacht aufpassen und immer wieder die Temperatur des Meilers durch Luftlöcher regulieren, damit das Holz nicht zu Asche verbrannte. „Die Farbe des Rauches zeigt dem Köhler an, wie weit die Umwandlung von Holz in Holzkohle voran schreitet”, erklärte Wagener den wissbegierigen Jungen. Am Ende der Woche wurde die fertige Holzkohle dann in Säcke abgepackt wurde. Nun soll sie verkauft werden, um den Erlös aus diesem Projekt zu stiften. Das Geld wird Pater Hartwig erhalten, ein Franziskanerpater in Jerusalem. Er betreut ein Kinderkrankenhaus in Bethlehem, wo er für jeden Euro dankbar sei. Reinhold und Christiane Wagener hatten den Pater 2006 während seines Urlaubs im Franziskaner-Mutterhaus in Fulda persönlich kennengelernt. Freunde der Wageners, das Ehepaar Horst und Roswitha Womelsdorf, hatten zuvor schon viel von Pater Hartwig erzählt. Sie hatten den Pater 2005 in einem kleinen armenischen Lokal nahe des Jaffa-Tores getroffen, als er Dienst für die Pilger und Touristen in der Kirche Dominus Flevet am Ölberg hatte.
Aus dieser Begegnung entwickelte sich daraufhin eine tiefe Freundschaft. Die Womelsdörfer lernten so auch bei einem der folgenden Besuche in Israel das Kinderkrankenhaus in Bethlehem kennen, wobei sie die Not der Kinder in den Kriegsgebieten hautnah zu spüren bekamen. Beide Ehepaare ist nun wichtig, die_se Not zu lindern. So kam es auch zum Köhlerprojekt mit den vier Jungen aus Walpersdorf. Juliane Mütherig




