Gedanken zum Evangelium
Scha(r)fsinnig Hören auf Jesu Stimme
Pastor Andreas Rohde zeigt mit Hilfe des heutigen Evangeliums wesentliche Schritte des Glaubens auf: Hören auf Jesu Stimme, Leben in seiner Nachfolge und Nachfolge und persönliche Bindung an ihn.
von Andreas Rohde
Über das Telefon haben sie sich kennengelernt. „Ich hörte ihre Stimme und war gleich irgendwie von ihr in den Bann gezogen“, schwärmt der Bräutigam. Die Braut pflichtet ihm bei: „Seine Stimme klang sympathisch. Ich wurde richtig neugierig darauf zu erfahren, was für ein Mann dahinter steckt.“
Ich verfolge das Gespräch mit den Brautleuten einigermaßen erstaunt. Sich in eine Stimme verlieben? Geht so etwas wirklich? Und wenn ja, wie groß kann die Enttäuschung sein, wenn man den anderen zu Gesicht bekommt und er den Erwartungen, dem Bild, das man sich von ihm gemacht hat, nicht entspricht?
Für diese Brautleute hat jedenfalls alles gepasst. Wie attraktiv und anziehend doch eine Stimme sein kann! Vielleicht auch: betörend. Sie kann neugierig machen.
„Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir!“ Den Satz aus dem Evangelium könnte man missverstehen. So, als ginge etwas ganz wie von selbst, als wäre das eine Art Mechanismus: Stimme hören – folgen.
Nein, so einfach geht es gewiss auch bei Jesus nicht. Denn auch er musste erfahren, dass es Menschen gab, die seine Stimme nicht hören wollten. Leute, denen er zu weit ging mit seinen Ansichten, die ihn lieber zum Schweigen bringen wollten.
Aber nicht nur die Feder, auch die Stimme kann schärfer sein als das Schwert. Denn viele Menschen faszinierte die Stimme Jesu. Was sie von ihm hörten, machte sie neugierig auf mehr. Jesus befiehlt nicht: „Alles hört auf mein Kommando!“. In seiner Stimme schwingt etwas Verheißungsvolles mit. Die Menschen spürten: Da redet einer nicht nur so daher. Nein, da hat einer etwas zu sagen, diese Stimme hat ein Gewicht.
Wo Jesus seine Stimme erhebt, da ruft er ins Leben. Das ist kein Anachronismus, sondern auch heute noch Wirklichkeit. Sein Ruf ist ein wirklicher und persönlicher An-Spruch. Ich bin gerufen, mir seine Stimme vertraut zu machen, sie kennenzulernen und dem Ruf seiner Stimme auf die Spur zu kommen. Denn wenn es so ist, dass er jeden einzelnen ganz persönlich in die Beziehung mit ihm ruft, dann hat er auch eine Botschaft für mich. Man könnte sagen, dass dieser Ruf eine Berufung ist. Beim ersten Anruf geht uns das vielleicht noch nicht auf. Jesus muss sich erst bekannt machen, ich darf mich in seine Stimme hin-ein-hören, um das Richtige heraus-hören zu können.
Christen sind, wie jeder Mensch, mit einer Sehnsucht nach Heil, Zuversicht, Liebe und Vertrauen unterwegs. Diese Verheißungen liegen in der Stimme Jesu, die mich persönlich ruft. Diesen Ruf an mich zu entdecken, ist anspruchsvoll und herausfordernd, aber auch befreiend und erfüllend.
Was das Hören auf Jesu Stimme bewirken kann, sagt er uns selbst: „Sie folgen mir.“ Manches Mal ist daraus das Bild des „dummen Schafes“ gemacht worden, das dem Hirten hinterherläuft. Das ist aber überhaupt nicht gemeint. Abgesehen davon, dass Schafe sehr kluge Tiere sind, die die Stimme ihres Hirten ganz genau kennen und sich deswegen auch gar nicht erst vom Fleck rühren, wenn ein anderer als ihr Hirte sie ruft. Es geht nicht um ein schlichtes Hinterhertrotten. Hinter Jesus hergehen heißt vor allem, mit ihm zu gehen. Das aber setzt eine persönliche Bindung und Beziehung voraus, die dem Ruf Jesu entspricht. Und dann? Welche Folgen hat das Folgen? Auch das sagt Jesus: „Ich gebe ihnen ewiges Leben.“ Diese Verheißung ist eine wahrhaft Frohe Botschaft. Wer ihr traut, der wird auch jetzt schon anders leben. Und deshalb ist ein solches Hören wirklich scha(r)f--sinnig!







