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2008_46

Mindener Dom baut alte Sakristei um in Sakramentenkapelle

Ruhe für die Anbetung

Viele Details unter dem historischen Tonnengewölbe: Architektin Melanie Berger aus Minden mit Propst Roland Falkenhahn.Foto: Schlichter

Minden. Der Boden ist geschichtsträchtig. Wer im Mindener Dom Steine bewegen will, der muss die Denkmalschützer fragen. Manches Bauprojekt braucht deshalb ein wenig länger. Doch nach einer sensiblen Planung wird das Ergebnis dadurch umso gelungener. Wie die neue Sakramentenkapelle, die derzeit noch bis November umgebaut wird. Für den DOM gab es bereits während der Bauarbeiten eine Führung von Propst Falkenhagen und der betreuenden Architektin Merlanie Berger.

Die Sakristei war einmal untergebracht in dem langen Raum links neben dem Chorraum. Eng war es, wegen der zahlreichen Paramente an der ehemaligen Bischofskirche ein regelmäßiger Behelf. Die alten, wertvollen Gewänder hatten zudem nicht immer den richtigen Platz. Vor sechs Jahren gab es deshalb eine neue Planung. Die Sakristei wurde verlegt, fand ihren neuen Platz im angrenzenden ehemaligen Klosterkreuzgang.
Über die Frage, was denn nun in dem bisherigen Räumen passieren könnte, kamen die Denkmalschützer auf den Plan. Die schulterten ihre Schaufeln und gruben sich in den Boden. Dort fanden sie die Reste einer alten Außenkrypta aus dem neunten Jahrhundert, wegen der nahen Weser und wohl des Hochwassers von außen begehbar. Die sichtbaren Ergebnisse aus den Grabungen waren für den weiteren Umbau der alten Sakristei zwar nicht nutzbar. Sie brachten aber wieder ein Stück Licht in die Geschichte des stolzen Domes.
Künftig sichtbar wird aber eine Fensternische, die bei den Untersuchungen zum Vorschein gekommen ist, ebenso wie ein renoviertes Tonnengewölbe aus dem 13. Jahrhundert. „Wir bewegen uns in historischen Räumen mit erheblichen Bauveränderungen“, beschreibt Mindens Propst Roland Falkenhahn die Wichtigkeit solider Untersuchungen.
Nutzungskonzepte, das hatte dann ebenfalls im Vordergrund der Überlegungen gestanden. Angesichts eines vielbesuchten Domes, teilweise zählt die historische Kirche im Sommer an den Sonntagen rund eintausend Besucher, wünschten sich viele mehr Ruhe für das Gebet. Die Idee einer Sakramantenkapelle mit Anbetung war geboren.
Der Münsteraner Architekt Professor Dieter Baumewerd hatte den Zuschlag für den Umbau erhalten. Für die Baubegleitung hatte er sich Hilfe durch die Mindener Architektin Melanie Berger gesucht. Sie ist es auch, die nun regelmäßig mit Kirchenvorstand und Propst Roland Falkenhahn die „Überraschungen“ der Baustelle bespricht. Und die gibt es bei dem Dom, als schönste gotische Hallenkirche bekannt, zuhauf. Risse im Wandputz waren es, die zuletzt für neue Überlegungen gesorgt haben. Nach derzeitigen Planungen soll die neue Anbetungskapelle nun im November fertiggestellt sein.
Dann werden die beiden Räume aber gelungen saniert sein. Den Altar wird eine Steinplatte aus rotem Verona Marmor bilden, auch um die handwerkliche Gestaltung der Ausstellungsmonstranz hat sich der Kirchenvorstand bereits gekümmert. Der Umbau der Räume war ihnen dabei ebenso wichtig, wie die Beachtung von Substanzerhalt und Nachhaltigkeit. So erhält die Anbetungskapelle eine Fußbodenheizung mit eigenem Kreislauf, um sie unabhängig vom übrigen Dom betreiben zu können, wie der Propst erzählt.
Was unten der Anbetung dienen wird, soll im Obergeschoss für Meditation oder Gebetsgruppen nutzbar sein. Über eine gesondert zugängliche neue Treppe sind die Räume die sogar mit Sanitäranlagen ausgestattet wurden, zu erreichen.
Christian Schlichter


21.11.2008
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