Traditioneller Empfang des Erzbistums für Medienvertreter zum Salestag im Liborianum
Polarisierung contra Streitkultur

- Sieht die Streitkultur in Deutschland durch den Trend zur Polarisierung in Gefahr: Erzbischof Hans-Josef Becker.Foto: pdp
Erzbistum (-haus). Erzbischof Hans-Josef Becker fürchtet, dass der zunehmende Trend zur Polarisierung die Streitkultur in Kirche und Gesellschaft gefährdet. Lasse man die Bilder des vergangenen Jahres Revue passieren, so seien diese häufig geprägt von „schroffer Konfrontation“, die auch zahlreiche politische Debatten im Jahr 2010 geprägt habe, sagte der Erzbischof vor Vertretern von Medien und Publizistik beim traditionellen Empfang des Erzbistums zum Salestag in der Bildungsstätte Liborianum.
Zwar habe es immer heftige Kontroversen gegeben, viele Haltungen und Einstellungen, hätten sich aber in einer Weise polarisiert, dass man gar nicht mehr bereit sei, die Meinung des anderen anzuhören, geschweige denn, sich mit ihr auseinanderzusetzen: „Es geht so weit, dass man denjenigen, der eine gegenteilige Position vertritt, diffamiert und lächerlich macht.“
Mittlerweile scheine es in einer zunehmenden Zahl von Auseinandersetzungen nur noch die Alternativen „Schwarz oder Weiß“ zu geben. Erzbischof Becker: „Jene Stimmen, die vorsichtigere Töne anschlagen und differenzieren wollen, gehen leicht unter im Getöse, mit dem sich die gegnerischen Parteien beschimpfen.“ Als Beispiel nannte Becker die Sarrazin-Debatte. Hier könne von einer Streitkultur wirklich keine Rede mehr sein. Letztlich zeigten der Anschlag auf die koptischen Christen in Alexandria und die Drohungen gegen Kopten auch in Deutschland, wohin Polarisierung, die in Fanatismus münde, führen könne: „Blinder Hass zieht sinnloses Morden nach sich!“ In diesem Zusammenhang forderte der Erzbischof eine weltweite Religionsfreiheit ein, eine Religionsfreiheit, „die nicht teilbar“ sei.
Letztlich, so der Erzbischof, habe die zunehmende Unversöhnlichkeit von Meinungen die Kirche erfasst, der Trend mache „auch vor den Kirchentüren nicht Halt“. Besonders bitter sei es, wenn die Liturgie zum Schauplatz solcher Ränkespiele würde, sagte der Erzbischof mit Blick auf Diskussionen um die Tridentinische Messe. Gleichzeitig sprach sich Becker für eine sachliche Diskussion rund um den Prozess der „Perspektive 2014“ aus. Die Bildung der neuen pastoralen Räume sei ein Prozess, der auch „schmerzhafte Anteile“ habe.
Es sei nie leicht, Abschied zu nehmen zu: „Schmerz darf sein, Trauer darf sein. Ich müsste mir Sorgen machen, wenn dieser Prozess geräuschlos vor sich gehen würde, denn das würde heißen, dass es kein Interesse mehr gäbe, keine Leidenschaft für das Evangelium und keinen Einsatz für das Weiterleben der Kirche vor Ort.“
Angesichts immer unsachlicher geführter Auseinandersetzungen komme, den Medien eine zentrale Rolle zu, appellierte der Erzbischof an die Anwesenden: „Ich möchte Sie bitten, auch den leiseren Stimmen in unserem Gemeinwesen eine Öffentlichkeit zu verschaffen; jenen also, die vielleicht nicht so spektakulär, geschliffen und zugespitzt daherkommen, doch dafür umso geeigneter sind, zu integrieren und zu versöhnen, statt gegeneinander auszuspielen.






