Aktuelle Ausgabe
2012-20

Hohenlimburger katholische Pfadfinder entdeckten Gemeinsamkeiten mit Seescouts aus England

Partnerschaft geerbt

Auch in einer Partnerschaft gibt es verschiedene Wege sich auf die Zukunft vorzubereiten. Der eine, An­dreas Hamann, schaut, was da auf sie zukommen könnte. Kuratin Hil­trud Steinhofer-Haurand orientiert sich lieber an einem Plan.

Hagen-Hohenlimburg. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man mit 50 ein Erbe antritt; ein Auto, ein Haus, Kapitalanlagen, Schulden. Den St.-Georgspfadfindern in Hohenlimburg (gegründet 1948) wurde vor einem Jahr ein ungewöhnliches Erbe angetragen: eine Partnerschaft.  

von Meinolf Steinhofe

Zwei Abenteurer, Gustav Stefen  und Hans Glock, zogen ohne Geld, dafür mit Rucksack und viel Mut Anfang der fünfziger Jahre nach London. Sie wollten zur Krönung von Königin Elisabeth. Bei der Suche nach einer Unterkunft fanden sie Kontakt zu den Pfadfindern von Norwich. Eine Freundschaft entstand. Einige Zeit nach der Rückkehr wechselte Gustav Steden von der DPSG zu dem „weltlichen“ Stamm der Edelmarder vom Bund Deutscher Pfadfinder (BDP) und nahm die gewachsenen Kontakte zu dem englischen Stamm mit.

Kleine Gruppen von Pfadfindern kamen nach Hohenlimburg und von hier besuchten einige immer wieder die Pfadfinder in Norwich. Allerdings erinnern sich die Älteren auch an ein großes Lager der englischen Freunde in der „Obernahmer“, einem Ortsteil von Hohenlimburg. Die jüngeren Teilnehmer/-innen wurde in Gastfamilien untergebracht, auch bei Familien der  DPSG. Die Truppe der Edelmarder wurde älter, der Nachwuchs blieb aus und so wurde die Gruppenarbeit Mitte der achtziger Jahre eingestellt. Die Freundschaft der alten BDP-Leiter zu den Seescouts in England wurde weitergepflegt.

2008 traf man sich in größerer Runde mit 40 Teilnehmern in Hohenlimburg. Dazu wurden auch die Leiter der DPSG eingeladen; vermutlich mit dem Hintergedanken, die gewachsene Partnerschaft dort „anzubinden“. „Hier haben wir die ersten Kontakte geknüpft, dann E-Mails ausgetauscht“, berichtet die Kuratin der DPSG Hohenlimburg, Hiltrud Steinhofer-Haurand. Bis vor einem Jahr dann eine Einladung kam: „Wollt ihr nicht mal mit einer kleinen Gruppe an einem unserer Lager teilnehmen?“ Die Hohenlimburger sagten zu und fuhren jetzt mit drei Leitern und zwei jüngeren Rovern nach England. 

In London angekommen, wechselte man zur Eisenbahn und fuhr in östlicher Richtung nach Norwich, einer 200000 Einwohner zählenden Stadt. Dort am Stadtrand hatten die Seescouts ihr Lager.

„Die Leute hatten netterweise für uns die Zelte schon aufgebaut“, berichtet Hiltrud Steinhofer-Haurand. Am Abend wurde gegrillt und man kam miteinander ins Gespräch. „Ein fester Punkt im Tagesablauf ist dort der Fahnenapell“ erzählt die langjährige Pfadfinderin Hiltrud. „Man nimmt Aufstellung in der Kluft, die wichtigsten Dinge für den Tag werden abgesprochen, es erfolgt eventuell eine Siegerehrung und schließt mit einem frei formuliertem Gebet.“ Sie ergänzt: „Wir würden uns im Kreis aufstellen, damit sich alle ansehen können.“

In Hohenlimburg gibt es dafür die Morgen- und Abendrunde mit einer Abschlussreflexion und etwas Besinnlichem zum Ausklang. „Ansonsten gibt es nur kleinere, kulturell bedingte Unterschiede“, berichtet die Spurensucherin Hiltrud und führt die  Übereinstimmungen auf den gemeinsamen Gründer BadenPowell zurück. Seine drei Prinzipien sind in beiden Stämmen zu entdecken: die Verantwortung sich selbst gegenüber, die Verantwortung den Mitmenschen und der Umwelt und die Verantwortung Gott gegenüber.

„In den einhundert Jahren haben sich die Pfadfinder weiterentwickelt“ stellte die Mitarbeiterin der Hohenlimburger DPSG  fest. „Die Engländer fangen mit den Kleinen bereits mit sechs Jahren an und bei den Älteren gibt es young leader, Assistenten ab 16, die ältere Leiter in einer anderen Gruppe unterstützen und so Leitung lernen.“ Am letzten Tag ihres Aufenthaltes konnten die Hohenlimburger  beim Abschiedsabend ihr Banner ausrollen und anhand des Logos der DPSG die Bedeutung des Kreuzes erklären. Geschenke wurden ausgetauscht und das Versprechen, sich erneut gegenseitig zu besuchen.  So wird die alte Partnerschaft wohl weiterleben.


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002