Aktuelle Ausgabe
2012-20

Zu Mariä Himmelfahrt zieht eine große Lichterprozession durch den Delbrücker Ortsteil

Ostenland in ein Lichtermeer getaucht

Beeindruckende Lichterprozession durch den Ort.Fotos: privat

Delbrück-Ostenland. Die große Sakramentsprozession mit Marienweihe in Ostenland füllt eine alte Tradition mit neuem Leben. 

von Richard Schleyer 

Als Pastor Daniel Jardzejewski vor zwei Jahren in den Pastoralverbund Boke-Ostenland kam, fand er in dem Delbrücker Ortsteil Ostenland ein noch blühendes volkskirchliches Leben vor. Doch beobachtete der junge Priester, wie die pastoralen Traditionen auch schon abbröckelten. Die seit langer Zeit üblichen Sakramentsprozessionen zu den Festgottesdiensten an Ostern, Pfingsten und Mariä Himmelfahrt wurden zwar noch abgehalten. Die Blaskapelle spielte, viele gingen den Weg einmal um die Kirche herum mit. Doch der Gesang klappte nicht, manche blieben in der Kirche sitzen. „Die äußere Form hat sich erhalten, der innere geistliche Bezug war aber kaum mehr spürbar“, empfand Pastor Jardzejewski. 

Nach der Mariä-Himmelfahrt-Prozession 2009 besprach der Geistliche seine Erfahrung mit dem Pfarrgemeinderat. Dort fand er offene Ohren, spürten die Pfarrgemeinderäte doch auch, dass Veränderungen anstanden. Einig waren sich alle rasch, dass sie nicht einfach alte Traditionen abschaffen wollten, sondern überlegen, was an deren Stelle treten könnte. „Das Alte hatte ja einmal einen geistlichen Sinn. Den gilt es hinüberzuretten in die heutige Zeit“, so die Überzeugung des Pastors.

Der Pfarrgemeinderat beschloss, die Prozessionen zu Ostern und Pfingsten fallen zu lassen; zugunsten einer feierlichen Festandacht am Nachmittag. Statt der kleinen Prozession nach dem Gottesdienst sollte dann aber an Mariä Himmelfahrt eine große Abend-Prozession durch den ganzen Ort stattfinden. Sie sollte mit einem Gottesdienst in der Kirche beginnen und im illuminierten Pfarrhausgarten vor der großen Marienstatue enden. 

Mit Eifer machten sich Pastor und Pfarrgemeinderat an die Planung. Und erlebten, wie in einem Dorf mit noch intakter Sozialstruktur ihr Vorhaben zum Selbstläufer wurde. Da wurden unter den Vereinen alle Aufgaben aufgeteilt, um die Organisation im Einzelnen brauchte sich der Pastor nicht zu kümmern. Schützen, Sportverein, Musik, Feuerwehr, alle übernahmen ihren Part. Und zwar nicht nur für den äußeren Ablauf, auch für den geistlichen Inhalt engagierten sie sich. Pastor Jardzejewski war es gelungen, mit seiner Idee die Herzen und verborgene Religiosität der Dorfbewohner und ihrer Verantwortlichen zu erreichen. Jardzejewski wollte nämlich die Weihe des Ortes an die Gottesmutter, die in Ostenland Tradition hatte, wiederbeleben. „Es geht darum, in einem symbolischen Akt unser Planen und Handeln für diesen Ort der Hand Gottes zu übergeben und seiner Führung anzuvertrauen; so wie es Maria mit ihrem Leben getan hat.“ So verdeutlichte der Geistliche den Sinn einer Weihe des Ortes an Maria. Alle Vereinsvorsitzende waren dann bereit, das Weihegebet  mitzusprechen, jeder einen Abschnitt. Anschließend zog dann die große Lichterprozession durch den Ort. 

Diese Marienweihe, die Pastor Jardzejewski in Predigten und im Pfarrrbrief geistlich vorbereitet hatte, hat die Christen in Ostenland erreicht, ist nicht rein äußerlich vollzogen worden. Dessen ist sich der Priester sicher. Es sei ein geistlicher Ruck durch die Gemeinde gegangen. Kirche und Glaube werde jetzt wieder als Sache aller angesehen, die das Dorf betreffe. Die Zahl der Gottesdienstbesucher liegt bei über 50 Prozent, das Engagement in den Vereinen hat sich belebt.

Dieses Jahr soll der Rahmen für die Lichterprozession noch feierlicher werden. Die Schützen installieren Lichtbögen im Ort. Über 400 Einmachgläser wurden bereits gesammelt und in der örtlichen Gaststätte deponiert. Dort werden sie mit weißem Sand gefüllt und mit Kerzenstummeln bestückt. Der Pfarrgemeinderrat stellt die Gläser entlang des Prozessionsweges auf und die Schützenjugend zündet die Kerzen an. 

Info

Die Lichterprozession zu Mariä Himmelfahrt in Ostenland beginnt am 14. August um 21 Uhr. Um 20.30 Uhr beginnt in der Kirche eine Andacht mit Anbetung, anschließend Erneuerung der Marienweihe. Die Prozession dauert etwa zwei Stunden und endet im Pfarrhausgarten. Ab dem 7. August wird die Marienweihe durch eine Novene vorbereitet, jeweils um 19 Uhr in der Pfarrkirche.


23.05.2012
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