Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Öffnungszeit ist Arbeitszeit

Mit der beginnenden Herbst- und herannahenden Weihnachtszeit werden die Begehrlichkeiten des Handel, die Öffnungszeiten nicht nur in der Nacht, sondern auch an Sonn- und Feiertagen auszudehnen, immer lauter. 


Gerd Vieler (52) ist
Chef vom Dienst des DOM

Alles hat seine Zeit, heißt es schon in der Bibel: Es gibt eine Zeit zu arbeiten und eine Zeit zu ruhen, eine Zeit zu säen und eine Zeit zu ernten. Im Handel scheinen sich diese Abschnitte derzeit auf nur eine Zeit zu reduzieren: die zu arbeiten und Handel zu treiben. Mehr mehr und versprichen sich Unternehmen eine Umsatzerweiterung durch Verlängerungen der Öffnungszeiten nachts oder an Sonntagen.
Dabei solle es weniger auf den Konsum als auf das Event des Einkaufens selbst ankommen, ist von den Verantwortlichen zu hören. Das ist wenig glaubhaft, da der Handel ja eigentlich keine selbstlose Einrichtung zur Volksbespaßung ist. Unter dem Deckmantel von Shopping-Erlebnis und Partystimmung geht es um mehr Umsatz. Dabei ist die Umsatzsteigerung nichts verwerfliches. Es geht allerdings auch um die Frage, wie hoch der soziale Preis dafür ist. 
Zugleich tauchen Argumente auf, dass der Kunde selbst entscheiden solle, wann er einkaufen möchte: eine Abstimmung über Ladenöffnungszeiten mit den Füßen der Kunden also. Doch was kann der schon am Sonntagnachmittag einkaufen, was nicht auch am Samstag zu kaufen wäre. Schließlich kann jeder sein Geld nur einmal ausgeben.
Bei dieser Abstimmung mit den Füßen sollte gerechterweise dann auch die Meinung derer Beachtung finden, die im wahrsten Sinne des Wortes auf der anderen Seite der Theke stehen. Wieviele von ihnen halten vorgeschriebene und in der Sache nicht begründete Sonntagsarbeit für sozialen Fortschritt? Öffnungszeit für die einen ist eben Arbeitszeit für die anderen.


23.05.2012
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