Vortrag zum Thema „Kirche und Schule“ bildet Auftakt zu neuem Netzwerk
„Notrufsäule an der Autobahn“
Rheda-Wiedenbrück. „Seien Sie wie die Notrufsäule an der Autobahn, die da ist, wenn Hilfe benötigt wird.“ Die Kernaussage, die Prof. Dr. Norbert Mette den Teilnehmern der Veranstaltung „Schule und Religion“ mit auf den Weg gab, war griffig. Auch die Thesen, die der Professor der Universität Dortmund in seinem Fachvortrag vertrat, verdeutlichten, wie wichtig eine Kooperation von Kirche und Schule ist und wurden rege diskutiert. Ein guter Auftakt für ein neues Netzwerk „Kirche und Schule“ im Dekanat Rietberg-Wiedenbrück.
von Ruth Lakenbrink
Das Dekanat Rietberg-Wiedenbrück hatte zu dem Nachmittag ins Ratsgymnasium geladen und Religionslehrer wie auch Vertreter der pastoralen Dienste waren gekommen, um gemeinsam an Ideen für eine Kooperation zu feilen. Anregungen gab es vor allem durch Prof. Dr. Norbert Mette, Professor für Katholische Theologie und ihre Didaktik mit dem Schwerpunkt Religionspädagogik und praktische Theologie an der Universität Dortmund. Er stellte zehn Thesen in den Mittelpunkt seines Vortrags, mit deren Hilfe er die gegenwärtige Situation sowie mögliche und ausbaufährige Berührungspunkte beschrieb.
Vor allem im Ruhrgebiet erlebe er oftmals Schulen, in denen Kirche ein Fremdwort sei, so Prof. Mette. Und so wären es in der öffentlichen Wahrnehmung häufig die Bilder von Notfallseelsorgern, die in einer Schule nach einem Amoklauf helfen, an die bei möglichen Überschneidungspunkten gedacht werde. Dass Kirche und Schule in der Regel nur wenig miteinander zu tun hätten, sei eine Folge der gesellschaftlichen Differenzierung im Zuge des Modernisierungsprozesses. Auch die Tatsache, dass die Kirche zuvor stets sehr präsent in der Bildung gewesen sei, wirke in so mancher Schule noch nach. Häufig sei daher in Lehrerkollegien eine starke antichristliche Haltung zu spüren.
Umgekehrt sei in den Kirchengemeinden häufig sogenanntes „Kirchturmdenken“ anzutreffen. Das bedeutet, alle Belange außerhalb der Gemeinde würden nicht als zur Kirche gehörig wahr- und ernst genommen. „Dass eine Kirchengemeinde von sich aus Kontakt zu den Schulen in ihrem Einzugsgebiet sucht, ist eine Ausnahme.“
Tatsache aber sei, dass „für einen Großteil der heute Heranwachsenden der schulische Religionsunterricht der einzige Ort ist, an dem sie noch mit Glaube, Kirche und Religion in Berührung kommen.“ Doch die hohe Kompetenz der Religionslehrer werde vonseiten der Kirche nicht genug wahrgenommen, sodass es nicht verwundere, dass sich viele Religionslehrer nicht im gemeindlichen Leben engagieren wollen.
„Seitens der Schulen wird Kirche immer noch gern nachgefragt, wenn es um die Gestaltung von Initiationsriten und von Hochfesten im Jahreskreis geht.“ Dabei stelle sich an vielen Schulen jedoch zunehmend die Schwierigkeit, dass die Schülerschaft multireligiös zusammengesetzt sei und eine rein christliche Gestaltung der Feiern daher als nicht angemessen empfunden werde. Das müsse die Kirche bei einem verstärkten Bemühen um Kooperationen berücksichtigen, um sich am Ende nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, einseitig auf die Schule Einfluss nehmen zu wollen. Transparenz und Offenheit gegenüber den anderen Konfessionen und Religionen sieht Prof. Mette dabei als Schlüssel.
Beiden Seiten, Kirche und Schule, sei doch an einem uneigennützigen Dienst an den Kindern und der Gestaltung einer gedeihlichen Schulkultur gelegen, so der Fachmann, um eine optimale Bildung zu ermöglichen.
Als mögliche Kooperationsformen nannte Prof. Mette etwa neben dem Religionsunterricht auch theologische Arbeitsgemeinschaften, beispielsweise in den Oberstufen der Gymnasien, Tage der Orientierung und religiöse Schulwochen, die stark nachgefragt seien, sowie die gemeinsame Gestaltung von Gottesdiensten und Feiern. Aber auch in Supervisionsangeboten für Lehrer und der Kompensation der fehlenden Finanzierung von Schulsozialarbeit und Schulpsychologen sowie in einem kirchlichen Beratungs- und Seelsorgeangebot für die ganze Schule sah der Experte weitere Kooperationsmöglichkeiten. Zudem berge die Mitgestaltung der Ganztagsschule, Schularbeitshilfen sowie Ferienfreizeiten weitere sinnvolle Überschneidungspunkte.
Im Anschluss an die Ausführungen des Professors diskutierten die Teilnehmer in Gruppen weitere Ideen, die von einem neuen Netzwerk Kirche und Schule weiterentwickelt werden sollen.







