Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Noch ein langer Weg

von Andreas Wiedenhaus 

Es ist erst ein paar Wochen her, da herrschten in Ägypten Euphorie und Aufbruchstimmung: Der verhasste Staatschef Mubarak war vertrieben, das Land sah sich am Beginn eines Weges in eine positive Zukunft. Und nicht nur das: Muslime und Christen waren zuvor zusammen auf die Straße gegangen, schienen ein gemeinsames Ziel zu haben, das das Trennende in den Hintergrund rücken ließ.

Nach den aktuellen blutigen Zusammenstößen zwischen Kopten und Muslimen mit zahlreichen Opfern treten diese positiven Momente in den Hintergrund. Offensichtlich hat im Verhältnis zwischen den Religionen der von Gewalt geprägt blutige Alltag schon wieder Einzug gehalten. An dieser bitteren Tatsache ändert auch die Möglichkeit nichts, dass alte Mubarak-Seilschaften die aktuellen Auseinandersetzungen initiiert haben könnten, um die Unruhe weiter zu schüren. Ob das stimmt, wird sich allerdings kaum überprüfen lassen.

Festzuhalten bleibt, dass Ägypten – und mit ihm die anderen Länder Nordafrikas, die im Umbruch sind –, noch einen langen Weg zurückzulegen haben wird.

Wohin dieser führen wird? Das kann derzeit wohl niemand sagen: Die Lage ist unübersichtlich, die Interessen der Beteiligten sind zu unterschiedlich. Wenn sich die Situation für die breite Bevölkerungsmasse nicht auf absehbare Zeit bessert, werden erneute Unruhen nicht auf sich warten lassen.

Vor einem solchen Hintergrund ist auf jeden Fall zu befürchten, dass die Lage der Christen in Ägypten nicht einfacher wird. 


23.05.2012
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