Pax-Christi-Bistumsversammlung: Deutliche Kritik an Libyen-Einsatz
„Nicht zu rechtfertigen“

- In seiner Eigenschaft als Pax-Christi-Präsident nahm der Fuldaer Bischof und frühere Paderborner Weihbischof Heinz Josef Algermissen an der Paderborner Bistumsversammlung der Internationalen Katholischen Friedensbewegung teil. Links der Paderbrner Sprecher Dr. Peter Witte sowie die Vize-Präsidentin Wiltrud Rösch-Metzler und Sprecherin Elisabeth Engel. Foto: Wiedenhaus
Erzbistum. Scharfe Kritik am aktuellen Libyen-Militär-einsatz und am Krieg in Afghanistan hat Bischof Heinz Josef Algermissen in seiner Eigenschaft als Pax-Christi-Präsident geübt: Während der Paderborner Bistumsversammlung der Internationalen katholischen Friedensbewegung bezeichnete der Fuldaer Bischof das Vorgehen der westlichen Staaten im Libyen-Konflikt als „unerträglich“. Die deutsche Haltung in diesem Kontext nannte Algermissen „in höchstem Maße zweifelhaft“.
von Andreas Wiedenhaus
Die derzeitigen Militärschläge in Libyen seien seiner Einschätzung nach vom Völkerrecht nicht gedeckt, sagte Algermissen vor den Pax-Christi-Mitgliedern in der Paderborner Bildungsstätte Liborianum. Er glaube auch nicht, dass vor den Luftschlägen wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden seien.
Das Vorgehen des Westens sei vielmehr das Ergebnis einer Politik der „Doppelzüngigkeit“ jenseits von Ethik und Moral: „Frankreich und Italien sowie auch der Rest der EU haben mit dem libyschen Regime in Flüchtlingsfragen lange kooperiert, weil der Diktator in Tripolis Europa das Flüchtlingselend vom Hals gehalten hat.“ Und nicht zuletzt der Ölreichtum des Landes sei wohl ein Grund dafür, dass man Gaddafi so lange „alles erlaubt“ habe. Dass der Diktator sein Volk mit den Waffen, die ihm die Länder vorher geliefert haben, die ihn jetzt bombardierten, bekämpfe, sei mehr als bitter, so Bischof Algermissen.
Hinzukämen eine ganze Reihe von weiteren Fragen, die untrennbar mit den Einsätzen verbunden seien, auf die die Politik aber keine Antwort hätte: „Was wird sein, wenn sich die Freiheitsbewegungen durchgesetzt haben, wie geht es in den Ländern Nordafrikas weiter?“
Deutlich kritisierte der Ful-daer Bischof das Vorgehen Berlins, im Zusammenhang mit der UNO-Enthaltung zum Libyen-Einsatz das Engagement in Afghanistan zu stärken. Die Situation in Afghanistan zeige drastisch, wohin eine Politik mit militärischen Mitteln führe: „Der Einsatz in Afghanistan ist längst gescheitert!“ Keines der zu Beginn des Einsatzes genannten Ziele sei erreicht worden: „Man hat das Land weder aufgebaut noch weiterentwickelt, stattdessen hat man sich die Bevölkerung überwiegend zu Feinden gemacht!“
Das, was man vielleicht im positiven Sinne erreicht habe, werde sich spätestens mit dem Abzug der westlichen Truppen „wieder in Luft auflösen“. „Der Afghanistan-Einsatz ist nicht zu rechtfertigen“, so die Bilanz des Pax-Christi-Präsidenten.
All dies, so Bischof Algermissen vor der Bistumsversammlung, mache deutlich, dass es einen „gerechten Krieg“ nicht gebe. Solch eine Politik dürfe nicht weiter praktiziert werden. Deshalb sei es für Pax Christi unerlässlich, „mit unserer Kritik weiter am Ball zu bleiben“.






