Kommentar
Nicht der Nabel der Welt
von Matthias Nückel
Die Deutschen haben ein sehr ausgeprägtes Verhältnis zu ihrer eigenen Bedeutung in der Welt. Immer wieder meinen sie, Deutschland sei der Nabel der Welt, um den sich alles zu drehen habe. Geschürt wird diese eigentümliche Auffassung durch eine Medienberichterstattung, die nicht den Realitäten entspricht.
So gab es zum Wochenbeginn kaum eine Zeitung, die sich nicht darüber aufregte, dass Papst Benedikt sich während der Ostertage nicht zu den Missbrauchsfällen geäußert hat. Doch warum hätte der Papst dies tun sollen? Nur, weil er zufällig Deutscher ist?
Benedikt XVI. ist Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken. In Deutschland leben gerade einmal 25 Millionen davon. Wenn es also hierzulande ein Problem gibt, so muss der Papst nicht in jeder seiner Reden darauf eingehen. Er hat Verantwortung für die gesamte Weltkirche. Und am anderen Ende der Welt interessieren die deutschen Probleme niemanden.
Der Kindesmissbrauch durch Priester muss hier in Deutschland aufgearbeitet werden – auf faire und sachliche Weise. Vom Trommelfeuer der Medien sollte sich dabei niemand beeindrucken lassen. Der normale Katholik scheint in dieser Frage immuner als mancher Kirchenobere. So wollen nach einer Umfrage 80 Prozent der Katholiken ihrer Kirche uneingeschränkt die Treue halten. (Die restlichen 20 Prozent stehen leider immer auf der Kippe.) Und der Andrang auf katholische Schulen ist ungebrochen. Das Vertrauen ist nicht verloren.
Diese Realitäten verschweigen viele Medien. Ob es nun aus Unkenntnis geschieht oder bewusst – beides ist schlimm und spricht nicht gerade für die Medien-Qualität.






